Tätigkeitsbericht der Stiftung Paradise… Now! für 2020/21

Verschiedentlich wurde der Wunsch geäußert, unser Handeln im Stiftungsvorstand transparent zu machen. Wir bitten euch daher, diesen ausführlicher gehaltenen Bericht trotz seiner Länge aufmerksam und mit Wohlwollen zur Kenntnis zu nehmen.

Ihr Lieben,

hier wieder ein Überblick über unsere Tätigkeit in den vergangenen zwei Jahren. Ihr könnte euch sicher vorstellen, dass diese Zeit sehr von Christians Krankheit und schließlich seinem Tod am 31.3. dieses Jahren überschattet war. Neben der Trauer gab es in diesem Zusammenhang natürlich auch viel Formales von Grabpflege über die Versorgung von Moni, Fragen des Nachlasses bis hin zu Regelungen mit der Stiftungsbehörde zu bewältigen. Bis zum ersten Todestag von Christian soll die Grabstätte auf dem Steyerberger Friedhof gestaltet sein.

Für Christian haben wir Jan Frieling für die Mitarbeit im Vorstand gewinnen können und freuen uns darüber, wie gut er in unser Team passt.

Soziales Engagement

Vielleicht denkt ihr, die Tätigkeit der Stiftung sei, von solchen Ausnahmesituationen abgesehen, in erster Linie die Beschäftigung mit dem „Materiellen“ – in manchen Zusammenhängen etwas abfällig bewertet, in jedem Fall weit gefehlt: Ein hoher und oft kraftaufwendiger Teil unserer Tätigkeit ist ehrenamtliches soziales Engagement. Viele soziale Probleme von Menschen im Lebensgarten wie z.B. Alterskrankheiten oder -gebrechlichkeit, psychische Krisen, Suchtprobleme, Verwahrlosung, Verschuldung oder Nachbarschaftskonflikte erfordern früher oder später unser Handeln, ausgelöst z.B. durch nicht gezahlte Mieten, Sperrung der Gas- oder Stromversorgung, hygienische Probleme (Gerüche, Ratten!), Gefahr für Leib und Leben von Mietern, Sorgen oder Beschwerden von Nachbarn etc. Dabei sind wir froh, von Menschen und Gruppen wie dem Sozialkreis oder der WiL-Gruppe, die Betreuungsaufgaben übernehmen oder andere Hilfestellungen leisten, Unterstützung zu bekommen.

In den Anfängen unserer Tätigkeit haben wir vielleicht etwas naiv geglaubt, wir könnten in solchen Problemlagen sehr transparent handeln und die Gemeinschaft einbeziehen. Wir mussten jedoch realisieren, dass dadurch für die Betroffenen ein großer sozialer Druck entstanden ist. Daher haben wir uns entschlossen, in aller Regel Vertraulichkeit zu wahren und die sich ergebenden Problemstellungen möglichst diskret zu regeln.

In jedem Fall müssen wir hier einen schmalen Grat treffen, denn wir wollen möglichst soziale Härten gegenüber Mitgliedern unseres Vereins vermeiden. Andererseits können wir nicht untätig sein, wenn elementare vertragliche Pflichten von Mietern nicht eingehalten werden. Dies würde zudem auch gegen die Prinzipien der Gemeinnützigkeit verstoßen, die gerade solche individuellen Bevorzugungen einzelner Personen ausschließen. Daher von unserer Seite immer wieder konstruktive Lösungen gefordert. Vielleicht konntet ihr euch davon überzeugen, dass wir diese in so manchen Einzelfällen gefunden haben?

Darüber hinaus nehmen Fragen der möglichst gerechten und den Interessen des Lebensgartens dienenden Wohnraumverteilung immer wieder einen beträchtlichen Teil unserer Ressourcen in Anspruch. Hier stellte uns insbesondere die Vergabe der Wohnungen im Rosenanger 29 in der Zusammenarbeit mit der WiL-Gruppe vor eine große Herausforderung.

Wirtschaftliche Situation

Durch den Verkauf einer weiteren Immobilie in Berlin sind in den letzten 5 Jahren insgesamt weit über eine halbe Millionen Euro aus dem Immobilienbestand der Stiftung kapitalisiert worden. Statt wie bis dahin aufgrund des Leerstands in Berlin Geld zu kosten, stehen diese Mittel nun für Investitionen in die Häuser des Lebensgartens zu Verfügung. Standen in den Vorjahren die Dachsanierungen sowie Ausbauten im Rosenanger 31 und 36 im Vordergrund, so lag der Schwerpunkt zuletzt auf der Dachsanierung der „Wache“ sowie dem Ausbau der Wohnung Rosenanger 23 zu zwei getrennten Wohnungen. Hinzu kam in diesem Jahr die Zurücknahme des Heilehauses vom Verein mit der Ersatzwohnraumbeschaffung für den bisherigen Mieter sowie der Finanzierung einer umfassenden Sanierung und Renovierung und dem Abschluss eines neuen Pachtvertrages für das Heilehaus mit der CAIA academy.

Balance von ökologischen und sozialen Aspekten

An dieser Stelle ein Wort zu dem verständlichen Wunsch vieler Lebensgärtner nach einem höheren ökologischen Standard der Stiftungshäuser. Dort, wo wir sanieren, sind wir bestrebt, ökologische Kriterien zu berücksichtigen. Bedenkt aber bitte, dass wir immer ökologische gegen soziale Kriterien abwägen müssen. Nur so können wir für die von uns renovierten Häuser ein Mietniveau anbieten, das eher am unteren Rand vergleichbarer Mietpreise im Flecken liegt. In jedem Fall freuen wir uns, mit der Bürgergenossenschaft gute Konditionen für die Einbeziehung des Lebensgartens ins Fernwärmenetz gefunden zu haben, so dass wir zukünftig unsere Häuser Schritt für Schritt ohne zusätzlichen CO2-Ausstoss beheizen können. Die zum Beitritt mit allen Häusern erforderlichen fast 20.000 € wurden 2020 in die Genossenschaft eingebracht.

Förderprojekte

Aufgrund der guten wirtschaftlichen Situation der Stiftung konnten in 2020 folgende Projekte gefördert werden:

  • Verein: Heilehaus 12.000 € / Zuschuss Wohnzimmereinrichtung 1.500 €/ Zuschuss Akquisestelle 2.000 € / Zuschuss Projektantrag Neustart Kultur 10.000 € als Eigenanteil von uns; so konnten 90.000 € Fördermittel eingeworben werden
  • AVeV: Vereinshaus (Miete) und T 36 (Mietzuschuss) sowie Gestaltungszuschuss Eingangsbereich Rosenanger 46 (in diesem Jahr)
  • PaLS: CAIA Imagefilm für Start-Next-Kampagne
  • Alpaka-Projekt
  • Schulprojekt der Bürgerstiftung des Landkrieses Nienburg

Darüber hinaus haben wir über den gesamten Zeitraum von 2019 bis 2021 intensiv im Kernteam und dem erweiterten Zukunftsprojekt mitgearbeitet. Seit März dieses Jahres ist die Stiftung Mitgesellschafter der CAIA academy.

Neu geregelt wurde die Förderpraxis der Stiftung. Diese soll zukünftig an klare Ziele, begrenzte Zeiträume und entsprechende Förderanträge gebunden sein.

Zahlen

Einen Überblick über die wirtschaftlichen Daten im Jahresvergleich 2018 – 20 findest du hier: Zahlenvergleich 2018 – 20

Dazu eine Anmerkung: Wer die Entwicklung der Stiftung in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt, wird feststellen, dass sich der entscheidende Einnahmeposten der Stiftung, nämlich die Summe der Kaltmieten, seit Beginn unserer Vorstandstätigkeit Ende 2013 nahezu verdoppelt hat. Wer nun meint, darin die Folgen einer „kapitalistischen Wirtschaftsweise“ der Stiftung sehen zu können, dem sei folgendes vor Augen geführt:

  • Ende 2013 gab es Mietrückstände in Höhe von ca. 60.000 € (!), die wir zum überweigenden Teil einfordern konnten.
  • Es gab vor unserem Amtsantritt über viele Jahre keine Anpassung der Mieten an gestiegene Lebenshaltungskosten. Diese Anpassungen haben wir vorgenommen.
  • Etliche Häuser waren nicht (Rosenanger 29, 30, 36, 37, 41) oder nur sehr eingeschränkt vermietbar (Rosenanger 6, 31, 35, 40, Ginsterweg 15) und erforderten z.T. sehr aufwendige und kostenintensive Sanierungsmaßnahmen, die sich dann natürlich auch in der Gesamtsumme der Kaltmieten widerspiegeln müssen – dies erwartet die Stiftungsbehörde von uns.
  • Im Übrigen schließt die Gemeinnützigkeit, die wir jährlich gegenüber der Stiftungsbehörde nachweisen, jede Gewinnerzielungsabsicht aus.

Umgekehrt konnten wir mit der Verbesserung der Einnahmesituation der Stiftung und dem Verkauf der Berliner Immobilien die Investitions- und Fördermöglichkeiten der Stiftung und die Wohnsituation in vielen Häusern verbessern sowie das Wohnangebot deutlich erweitern.

Juristische Klärung

Schließlich ist es uns gelungen, eine positive rechtliche Klärung darüber herbeizuführen, dass wir als Stiftung in unseren Mietverträgen den Vertragsbestand an die Vereinsmitgliedschaft koppeln dürfen. Wenn der Verein dabei mitgeht, dürften wir darüber hinaus auch den von Gastmitgliedern per MV-Beschluss zu erhebenden Gästebeitrag über eine um diesen Betrag erhöhte Untermiete im Fall von Nichtmitgliedern erheben und an den Verein weiterleiten. Darüber gibt es jedoch noch keinen Vereinsbeschluss.

Zusammenarbeit

Wir bedanken uns bei der vorherigen WiL-Gruppe für die tolle Zusammenarbeit und danken den Nachfolger*innen für die erklärte Bereitschaft, diese gute Kooperation fortzusetzen. Wir danken für die gute, konstruktive Zusammenarbeit im Zukunftsprojekt, das so viele schwierige Problemstellungen zu bewältigen hatte. Und last but not least danken wir unseren beiden Angestellten Birgit und Paul Hampton für ihre zuverlässige und umsichtige Arbeit, die unser Tun an ganz vielen Punkten entscheidend erleichtert.

Und euch vielen Dank für eure Geduld beim Lesen!

Für den Stiftungsvorstand

Antje, Friedo, Jan, Joos und Samarpan

Schreibe einen Kommentar