Manuel und die Demokratie – Eine Hommage und mehrere Anträge

Manuel und die Demokratie
Eine Hommage und mehrere Anträge

Ich stelle folgende Anträge an die MV:

– Soziokratische Wahl eines Rat der Weisen (bloser Arbeitstitel, Aufgabenbeschreibung im Text) im Rahmen einer Sonder-MV.
– Baldmöglichste Wiederaufnahme unserer MVs als nach wie vor höchstem Entscheidungsgremium. Wenn nicht anders möglich auf Zoom oder anderem online Medium
– Eine weitere Schulung von Steffen Emmrichs aus der gAstwerke – Gemeinschaft zum Thema Soziokratie

Begründung der Anträge:

Achtung: In diesem Text geht es nicht darum die Gefährlichkeit von Covid 19 zu behandeln. Er behandelt keine virologischen Fragen. Er geht darum wie wir uns als Gemeinschaft auf die aktuelle politische Lage beziehen wollen.

Persönliche Einführung und meine Gedanken zur Wirkung der Maßnahmen:

In den letzten Wochen hätte ich fast täglich heulen können über Entscheidungen die uns alle auf dieser Welt betreffen.
Es hat mir das Herz zerissen zu sehen dass in guter Absicht und zur Rettung vieler Tausend Menschen – weltweit viele Hunderttausende in Leid, Krankheit und Hungertod gestürzt werden.
Wie meine ich das? Asien, Afrika, Südamerika – auf der Welt sterben jährlich über 9 Millionen Menschen an Hunger. Ein Vielfaches mehr lebt am Existenzminimum. Tagelöhner, Obdachlose, Minibetriebe die von dem Verkauf einiger Bananen leben. Es gibt kaum oder keine Rettungsschirme für sie. Die Länder waren bisher überfordert sich um sie zu kümmern, sie sind es nun noch mehr.
Alte, Kranke und Risikopatienten sollen geschützt werden. Aber wie kann es sein dass Demente, eh schon bald sterbende Menschen nun in ihren Zimmern allein sind, weil den Schwestern nur noch der absolute Mindestkontakt erlaubt ist, und der Besuch verboten ist? Ist das das was diese Menschen für sich entscheiden würden, und warum dürfen sie nicht selbst entscheiden?
Ich denke an Familien in denen Gewalt und sexueller Missbrauch an der Tagesordnung steht, die in kleinen Hochhauswohnungen nun für Wochen zusammengepfercht sind. Was muss es für sie bedeuten?
Was macht es mit unseren Kindern, wenn eine medizinische Sicht auf die Welt und die Angst vor Infektionen mit dem damit einhergehenden Kontaktverbot plötzlich zur allgegenwärtigen Realität wird?
(Diese Aufzählung ist unvollständig und schlicht das was mir gerade am nahesteh geht)

Was wäre wenn…? Im Zuge der Maßnahmen entstehen weiter Schäden in der Wirtschaft entstehen, die die Regierung mit Rettungspaketen in Milliardenhöhe auszugleichen versucht. (Weltweit gesehen werden Billionen dafür mobilisert)
Was wäre wenn wir die Maßnahmen anders gestaltet und diese Milliarden nun zur Verfügung hätten? (Ich sage nicht keine Maßnahmen, sondern anders gestaltete) Wir könnten Millionen Menschenleben retten an Hungertoten.
Aber auch in regionalen Beispielen wäre viel möglich, wie den Nah und Fernvehrkehr in Deutschland kostenfrei zu machen (Verkehrstote, Lungenkrankheitstote), Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke schließen (Lungenkranke und Krebstote). Maßnahmen die unsere Lebensqualität und unser Immunsystem stärken (Förderung von Prävention im weitesten Sinne) etc.. (ebenfalls völlig unvollständig)
Es macht mich konfus wenn ein Regierungssprecher behauptet es ginge um die Menschen und jedes Menschenleben zählt, und gleichzeitig fixiert sich der Blick in unserer Gesellschaft aber auf nur ein Geschehen, und alle dabei entstehenden Schäden und daneben stattfindenden Probleme, die genauso oder dringender unsere Aufmerksamkeit bräuchten werden wenig beachtet.
Die Rüstungsindustrie produzierte weiter, wir sind einer der größten Waffenxporteure weltweit.

Es fällt mir aus diesen Gründen schwer dieser Regierung in ihren Entscheidungen eine Kompetenz und eine Weitsicht zuzusprechen.
Ich möchte ihnen nicht ihre gute Absicht absprechen. Letzlich repräsentieren sie unsere heutige Art die Welt zu betrachten.
Und ich sehe, dass ich viele ihrer für mich in der Zukunft möglicherweise anstehenden Entscheidungen nicht mittragen möchte.

Ich möchte nicht die Impffplicht, möchte nicht den Chip in meiner Haut, möchte keine langfristigen Berührungsverbote und Verschiebung meines Soziallebens ins Digitale.
Und ich habe Angst, wie sie mit denen verfahren werden die sich nicht einfügen.
Ich möchte nicht dass einem Elternteil von uns hier das Sorgerecht entzogen wird weil es sein Kind nicht impfen lässt, nur um ein mögliches Beispiel zu nennen.

Meine Frage ist – kannst Du mir folgen warum ich die Entscheidungen der Regierung nicht als weitsichtig bezeichnen würde und es in Frage stelle ob ich ihnen vertrauen kann in ihren zukünftigen Maßnahmen?

Bist Du mit mir wenn ich mir von uns wünsche dass wir es anders machen?
Dass wir ein Vorbild werden in demokratischen Strukturen, in der Herausbildung von differenzierten Perspektiven und Entscheidungen die mit Weitblick getroffen werden?

Teamaufgaben:

Dafür möchte ich mit Dir und Euch suchen, welche Struktur das ermöglichen kann.
Mein Arbeitsvorschlag ist ein Team das ich vorläufig Rat der Weisen nenne.
Dieses Team kümmert sich um diese Fragen, wie wir in Zeiten von Bedrängung und Not Entscheidungen mit Weitsicht und Liebe treffen können.
In seiner Struktur ist es möglichst differenziert. (Differenziert in Alter, Gruppenzugehörigekeiten, Status etc., mit Kompetenzen in möglichst vielen Lebensbereichen wie zB Ethik, Recht, Soziales, Spirituell usw.. Fachkompetenz kann im Einzelfall dazugezogen werden)
Es sammelt Informationen, tauscht diese aus und macht diese präsentierbar.
Es präsentiert die Ergebnisse der MV, also uns und eventuell Freunden und Sympathisanten der Gemeinschaft.
Es erarbeitet Vorschläge wie in außergewöhnlichen Situationen innerhalb der Gemeinschaft verfahren werden könnte, und tut dies auch im akuten Fall.
Vorschläge werden durch die MV im soziokratischen Verfahren behandelt und abgestimmt.
Es beschäftigt sich mit der Frage wie eine zeitgemäße Demokratie für uns als Gemeinschaft aussehen kann und wie wir diese Strukturen noch besser integrieren können. Um als Gemeinschaft die Eigenverantwortung zu uns zu nehmen, und als Vorbild dienen können für ein alternatives Lebensmodell.
Mir geht es nicht darum per se Regierungsbeschlüsse auszuhebeln. Mir geht es darum eine Struktur zu schaffen die es uns ermöglicht auf die aus unsere Sicht beste Art zu reagieren und eigene Entscheidungen zu treffen.

Das jetzige Notfallteam könnte in diesem Team integriert werden.
Der Vorstand ist gesetzliche Repräsentanz des Vereins und sollte somit keine Vorschläge an die MV machen die im Falle nicht mit gesetzlichen Regelungen konform gehen, und kann daher dieses Gremium nicht bilden.

Ich wünsche mir dass wir Verantwortung und Weisheit zu uns holen, in unsere Mitte und in jeden von uns selbst.
Ich bin persönlich sehr tief überzeugt dass wir durch ein zu einseitiges, zu Sicherheitsbedachtes und mit zu wenig Perspektiven Handelndes – zentrale Werte in unserem Miteinander schwächen oder sogar verlieren könnten.

Konkrete Beispiele:

Konkrete Fragen die sich aus meiner Sicht schon in sehr absehbarer Zeit stellen werden sind:
Wie gehen wir als Gemeinschaft mit einer Impfpflicht um?
Brauchen wir Kommunikationsstrukturen die uns Entscheidungen ermöglichen auch wenn ein Kontaktverbot herrscht?
Sollten diese vom sonstigen Netz unabhängig sein, also auf eigenem Server?
Neben dem konkreten stellen sich für mich auch Fragen was diese Welt als Heilungsimpuls von uns brauchen kann, dies meine ich durchaus auch politisch.
ZB welche Form der Demokratie zeitgemäß ist, und womit wir uns und der Welt hier am besten dienen. (Daher der Vorschlag mit Steffen Emmrichs von den gAstwerken).

Das alles ist ein Arbeitsentwurf, zur Überarbeitung und Verbesserung gemacht.
Auf shitstorms habe ich keine Lust. Konstruktives gerne.

Abschluss:

Ich sitze an dieser Mail seit zwei Wochen, habe sie unzählig überarbeitet und Feedback von Freunden eingeholt um eine weitere Polarisierung (im Sinne ob Covid 19 nun eine Bedrohung ist oder nicht) zu vermeiden.
Ich hoffe dass beide Seiten diese Mail lesen können und die Intention darin verstehen.
Für mich ist diese Situation auch eine Chance, und ich frage ob wir sie in oben beschriebenen Sinne gemeinsam angehen wollen?

Herzlich, Manuel

7 Kommentare zu „Manuel und die Demokratie – Eine Hommage und mehrere Anträge“

  1. Lieber Manuel,
    vielen Dank für die ausführliche Darstellung deiner besorgten Gedanken und deiner Vorschläge. Wir sollten deine Aussagen differenziert betrachten, um sie zu vertiefen und daraus Handlungsstrategien abzuleiten. Ich will das jetzt hier nicht tun, weil es zuviel Raum einnehmen würde. Eins nur:
    Auch ich sehe die aktuelle Pandemie als eine Chance für positive Veränderungen, weil sie uns deutlich machen kann, dass wir als Menschheit in einem Boot sitzen, uns auf einem Planeten befinden. Wenn ich den Prognosen glauben schenke, dass der Gipfel unseres Bevölkerungswachstum 10-Milliarden Individuen betragen dürfte, und wir aufgrund unserer Ökonomie schon die Tragfähigkeit unseres Planeten massiv geschwächt haben, dann ist es eine schlichte Notwendigkeit, sich aus den Wachstumszwängen unserer Ökonomie zu befreien. Es geht um Befreiung und darum was wir in unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung als Freiheit verstehen, und wie sie sich in unserem Zusammenleben äußert. Ich glaube es war Karl Marx der sagte: „Freiheit ist die Einsicht in die objektive Notwendigkeit“ . Ob es für das Leben auf diesem Planeten nun objektiv notwendig ist, ob wir als Spezies überleben, sei dahingestellt. Aber ich denke wir können uns intersubjektiv darauf einigen, dass wir überleben wollen. Dann allerdings ist die Notwendigkeit gegeben, dass wir unsere zerstörerische Ökonomie, so verändern, dass dies auch möglich wird. Und damit aus der Einsicht (als potentieller Freiheit) auf wirklich Freiheit wird, braucht es auch der durchdachten Handlungen.
    Der auf Wettbewerb fußende Kapitalismus hat unsere Produktivkräfte ernorm gesteigert, die Reproduktivitätkraft unseres Planeten dagegen enorm geschwächt.
    Er hat komplexe Abhängigkeiten geschaffen, so dass mir der notwendige Wandel wie eine Operation am offenen Herzen erscheint . Vielleicht ist der von Dir gewünschte „Ältestenrat“ ja ein Instrument (eines von vielen), dass hierbei helfen kann gangbare Wege zu finden und Schritte zu wagen. Ein Versuch ist es wert. Ein Allheilmittel indes wird er sicherlich nicht sein. Möge uns unsere Hoffnung motivieren.

  2. Lieber Manuel,

    danke für deinen Text, ich kann dem in weiten Teilen zustimmen.

    Ich hatte auch einen sehr persönlichen Text in den Infogarten gestellt, wo ich mich „geoutet“ habe. Daraufhin erhielt ich mehrere hässliche Kommentare, die auch noch Unwahrheiten enthielten. Da ich keine Lust habe, auf solchen shit einzugehen, habe ich meinen Beitrag wieder gelöscht. Soviel zur Meinungsfreiheit im infogarten.

    Ich drücke dir die Daumen, dass deiner Bitte, den shitstorm zu unterlassen, Folge geleistet wird.

  3. Ich möchte auf ein paar Punkte eingehen die missverstanden werden könnten:
    Eine Intention ist den Lebensgarten anzufragen ob wir auf Übergriffigkeiten der Regierung (als Beispiel: Impfpflicht ist ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und daher für mich klar ein Übergriff) gemeinsam reagieren wollen, und wenn ja welche Formen es dazu braucht.
    Der Rat der Weisen ist ein Arbeitstitel, der nicht verstanden werden soll als „hier sitzen weise Menschen“ sondern wir vereinen möglichst viele Perspektiven um eine möglichst große Weisheit darzustellen und zu repräsentieren. Wir beauftragen Menschen sich intensiver mit der Materie zu befassen als das Einzelne in ihrem Alltag können. So wie wir das mit den anderen Teams aus diesem Grunde auch tun. (Menschen werden soziokratisch gewählt und stellen sich nicht selber auf.)

    Ich bin sehr offen für andere Vorschläge. Meine mail ist an dieser Stelle Impuls und lädt ein für andere weitere Möglichkeiten.

    • Lieber Manuel,
      wie es scheint habe ich dich tatsächlich gründlich missverstanden. Ich dachte es ginge dir im Kern, um einen Ausweg aus dem weltweiten Elend, das wir durch unser Wirtschaften und unseren Konsumverhalten mit-verursachen. So wie ich es jetzt verstehe, geht es dir um deine oder unsere körperliche Unversehrtheit, die aus deiner Sicht unsere Staatsgewalt zu durchbrechen droht.
      Diese deine Sorge teile ich aus mehreren Gründen nicht:
      • Ich bin ehrlich gesagt froh darüber, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, als die Pockenschutzimpfung Plicht war. Vor Pocken und deren Eingriff in die körperliche Unversehrtheit sind wir geschützt und dafür bin ich dankbar.
      • Ebenfalls dankbar bin ich für die obligatorischen Schutzimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln, Kinderlähmung usw. auch wenn diese nicht verpflichtend sind. Sie haben vielen Menschen Leid erspart oder sie gar vor einem frühen Tod bewahrt.
      • Zudem glaube ich nicht, dass (wenn überhaupt ein Impfstoff) gefunden wird, eine Impfung verpflichtend sein würde, weil nach jetztigen Stand eine Immunisierung von max. 70% der Bevölkerung ausreichend sein würde, um einen Schutz der Bevölkerung zu erreichen. Ich glaube nicht, dass mehr als 30% der Bevölkerung Impfgegner sind.
      • Aus dieser Sicht ist es für mich ein Akt der Solidarität für meine Mitmenschen mich impfen zu lassen, wie ich es auch nach dem Wiederaufflammen der Masern getan habe.

      Natürlich gibt es auch Impfrisiken, die die körperliche Unversehrtheit verletzen können. Und sich darüber zu sorgen ist menschlich. Unsere Ethik verbietet es das Leid und das Leben, der einen und der anderen Seite gegeneinander abzuwägen.
      • Wenn ich auf einen Schutz (mit meiner Ansicht nach relativ geringen Risiken) verzichte und erkranke, mag es mir schicksalhaft erscheinen.
      • Wenn ich auf Grund einer Impfung Schaden nehme, ist es meine eigene Verantwortung; ich tue es ja nicht nur für mich.
      Ich respektiere deine Haltung und verstehe meine Antwort nicht als shitstorm. Einen Mitstreiter für dein Anliegen findest du in mir jedenfalls nicht.

      • Lieber Geoda,
        Danke für Deinen Hinweis.
        Nein, ich möchte mich keineswegs aufs Impfen beschränken und auch nicht die Debatte starten ob Impfen sinnvoll ist. Es sollte als Beispiel dienen und aufzeigen mit welchen Themen (Zwang durch Staatsgewalt) wir uns bereits jetzt und vielleicht in Zukunft konfrontiert sehen können.
        Danke fürs aufmerksam machen, das wäre schade wenn der Text durch den Zusatz so verstanden wird.
        Ich stimme Deiner ersten Antwort voll zu.
        Für mich persönlich wird es die Tage immer klarer dass es einen Systemwandel braucht. Die Mail ist auch die Frage wie und ob wir daran mitwirken mögen.

  4. Lieber Manuel, auch von mir ein großer Dank für deine Initiative. Ich sehe es ähnlich wie du……. und unterstütze deine Anträge

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