Was mich an der Debatte um die Finanzen irritiert

Wenn ich die Zahlen vom Steuerbüro Hohaus betrachte, hat der Seminar-(Zweck)betriebes im ersten Halbjahr 2018 einen Umgangsrückgan von kapp 24.000 € gegenüber dem Vorjahrszeitraum zu verzeichnen. Gleichzeitig ist der größte Ausgabenfaktor im Bereich des Zweckbetriebes, nämlich die Personalkosten, lediglich um 300 € gesunken. Im Gegensatz dazu ist die Einnahmesituation des Vereins im ideellen Bereich (im Wesentlichen Mitgliedsbeiträge) um 2.700 € verbessert. Unser Problem liegt also, kurz gesagt, in erster Linie im Bereich des Seminarbetriebes, der sich nicht trägt, weil der entscheidende Kostenfaktor Personal zu hoch ist.

Was mich irritiert: Wir haben einen langwierigen Umstrukturierungsprozess im Seminarbetrieb hinter uns, bei dem es den Beteiligten wichtig war, eine kollektive Struktur zur Verwaltung des Seminarbetriebes aufzubauen. Wer von diesen Menschen dieser kollektiven Struktur übernimmt jetzt die Verantwortung und sagt, was probiert oder versäumt wurde, wo gespart werden soll, wer ggf. entlassen werden muss etc.? Warum muss uns erst das Steuerbüro auf die Dramatik der Schieflage im Betrieb aufmerksam machen? Warum gerät so wieder der Vorstand unter Druck und in die Haftung? Warum müssen wir schon wieder die MV bemühen, um den Betrieb zu retten? Was mich noch mehr irritiert, zumindest wenn ich die Empfehlungen der 8er AG lese, verschwimmt da nicht gerade wieder ganz viel in einem großen WIR, die wir jetzt das Problem schultern sollen? Noch ein bisschen schärfer und auf die Vorschläge der AG bezogen: Wie können die Mitarbeiter eines Kollektivbetriebes auf Gehälter verzichten, wenn sie diese gar nicht erwirtschaftet haben – es sei denn, sie verstehen sich in erster Linie als Mitarbeiter eines Vereins, der dann schon irgendwie für die Verluste aufkommen wird?

Ich will mich gewiss nicht drücken, über höhere Mitgliedsbeiträge nachzudenken und die Einnahmesituation des Vereins zu verbessern. Aber wir können als Verein den Zweckbetrieb nicht auf Dauer stützen (und wollen dies auch nicht). Daher wünsche ich mir jetzt in erster Linie Lösungsideen aus den Reihen des Betriebes, wie der Personalaufwand reduziert werden kann.  Zur Erinnerung: Bis vor etwa 10 Jahren haben sich die Mitarbeiter noch mit größter Selbstverständlichkeit arbeitslos gemeldet inklusive der Leitungspersonen, wenn das Geld zur Bezahlung der Löhne im Betrieb nicht da war, und haben trotzdem für den Betrieb weitergearbeitet. Klingt vielleicht hart, aber geht es nicht gerade um diese Verantwortlichkeit für das eigene Tun, den eigenen Betrieb? Oder heißt Kollektivbetrieb nur „warm baden“?

11 Kommentare zu „Was mich an der Debatte um die Finanzen irritiert“

  1. Ja, Joos… Haben sich arbeitslos gemeldet und trotzdem gearbeitet… Das war damals schon illegal und wäre es heute ebenfalls.
    Es war aber ebenfalls mal ein Beschluss, nichts auch nur irgendwie leicht „Hellgraues“ geschweige denn „Schwarzes“ mehr im Betrieb zu zulassen.
    Zudem haben wir inzwischen Mitarbeiter im Betrieb, die nicht Lebensgärtner sind und deren Verständnis für das Konzept „selbstverwalteter Betrieb“ nicht vergleichbar sein kann mit unserem.
    Gleichzeitig wurden „Annehmlichkeiten“ für uns Mitarbeiter beschlossen, die die Arbeitsstellen „menschenwürdiger“ machten, z.B. bezahlter Urlaub. Das war wohl viel zu optimistisch.
    Auch dies geschah nach meinem Verständnis zumindest zum Teil im Bemühen, den Betrieb so zu führen, dass er im Einklang mit geltendem Arbeitsrecht steht.
    Solange wir Mitarbeiter (und Dienstleister wie Hohaus) dabei haben, die wir mit keiner Illegalität/Grauzone belasten dürfen, ist der Weg dahin zurück aber ohnehin verschlossen.
    Und Ob das wünschenswert wäre, ist ja noch mal eine ganz andere Frage.

    Entlassungen und Stundenreduktion sind aber auch keine Lösung, dann ist der Betrieb schlicht nicht fähig, Gäste zu versorgen.

  2. Stundenreduktion kann meiner Meinung nach nur dann geschehen, wenn die Gäste nicht anwesend sind. Und dies ist dieses Jahr doch öfter vorgekommen.
    In meinem Betrieb in Düsseldorf haben wir vor zehn Jahren in solchen Fällen Kurzarbeit angemeldet.

    • Dies ist dann auch nur teilweise, also bei den Küchenmitarbeitern und im Heilehaus, möglich.
      Das Büro muss zwingend weiterarbeiten, um eben neue zukünftige Gäste zu ermöglichen und ranzuschaffen.

      Zudem sind Lücken a. nicht planbar und b. nicht zusammenhängend. Ich glaube kaum, dass man jedesmal, wenn Seminare ausfallen o.ä., für 2 Wochen Kurzarbeit anmelden kann…
      Leider kann man den Seminarleitern ja kaum aufdrücken, wann sie ihre Termine zu legen haben, damit wir irgendwie kompakte und kontinuierliche Blockarbeitszeiten haben.

    • Das ist eine Milchmädchen-Rechnung, denn dies trifft nur für den Gästeempfang und Küchenpersonal zu. Wenn kein Seminar statt findet, bekomme ich auch kein Gehalt. Wenn nur 9 Teilnehmer kommen, kann die Zeit des Gästeempfangs genau so lange dauern, wie wenn 40 Leute kommen (weil viele Seminargäste nämlich eintrudeln, wie es ihnen gerade passt und nicht, wie es von uns vorgegeben wird. Im Büro werden aber ganzjährig Arbeiten erledigt, die in die Zukunft gehen. Und wenn sich z. B. in der Sommerpause 200 neue Anmeldungen für Seminarteilnehmer und etliche Anfragen von Seminarleitern für den z. B. November oder 2019 eingehen, dann ist das Arbeit, die in einer Zeit anfällt, in der keine Seminare stattfinden. Hier kann doch wirklich nur ein Jahresdurchschnitt gerechnet werden. Und wir sind offen für wiklich brauchbare und konstruktive Lösungsideen, die vor Euch noch niemand hatte, denn die derzeitige Situation ist doch nichts neues, solange ich schon hier bin höre und lese ich Defizite in unglaublichen Dimensionen und bislang hat es niemand geschafft, einen wirtschaftlich erfolgreichen Seminarbetrieb aufzubauen, in dem man sich als neuer Mitarbeiter einarbeitet und mit Freude arbeitet. Als ich am 1.8.2016 im Betrieb angefangen habe, durfte ich neben dem Gästeempfang etwa ein dreiviertel Jahr die Versäumnisse in der Seminarbetriebsbuchhaltung aus dem Jahr 2016 und 15 zusammen mit Ulrike zusammen mit dem Steuerberaterteam ausbügeln. Und ich habe fünfeinhalbstausend Euro säumigen Geldes reingeholt, die durch Abrechnungsfehler im November 2015 entstanden sind und auch durch unbezahlte Rechnungen, die nie jemand angemahnt hatte. Toller Einstieg in ein Unternehmen! Leute, wenn Ihr keine Ahnung habt, wie es praktisch im Seminarbetrieb läuft und auch schon vor unserer Zeit lief, dann macht dort ein Praktikum und zeigt uns, wie Ihr es besser und wirtschaftlicher geht. Eure unsachlichen Schreibereien hier demotivieren mich, weil Eure Beiträge sich in etwa so anhören: Du musst doch nur einfach mal Anders!!!

  3. DANKE, Frauke!!!

    Lieber Joos, bei allem Respekt: Ich glaube, du bist wenig informiert, was gerade an Umstrukturierungen läuft. Wir sind seit Wochen intensiv daran, die Probleme in den Griff zu bekommen. Dieser Prozess hat schon vor der JHV mit Hohaus begonnen und die Dramatik wurde von der Buchhaltung und dem neuen Leitungsteam erkannt. Die Löcher in der Finanzplanung betreffen Verein und Seminarbetrieb gleichermaßen, die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit ist beim Verein wesentlich höher. Die gute Nachricht: Das Thema wurde rechtzeitig erkannt und uns bleibt ein paar Monate Zeitrahmen, um zu reagieren.
    Schon eine seltsame Meinung, dass alle Risiken eines Betriebs auf den Rücken der MitarbeiterInnen ausgetragen werden sollten. Da kann ich Frauke in jedem Wort zustimmen.
    Ich finde eher erstaunlich, dass aus der Belegschaft ein Lohnverzicht dieser Höhe geübt wird. Und da irritiert mich deine Aussage sehr, sie könnten ja gefälligst ganz umsonst arbeiten, wenn es dem Betrieb nicht gut geht.

    Verein und Betrieb zukunftfähig aufstellen? Ja, bitte. Genau darum soll es auf der MV gehen!

    • Lieber Alle, die Ihr Eure Personalkosten-Kritik auch konstruktiv in das Vereinsgeschehen einbringen wollt, was ist Eure praktische Idee, die Insolvenz noch zu verhindern? Würdet Ihr in den nächsen 4 Wochen mitarbeiten und wir könnten dann von Euch erfahren, wie Ihr es wirtschaftlicher gestalten könnt? Ich arbeite zur Zeit für 9 Euro die Stunde und bin bereit, meine Aufgaben im Gästeempfang statt in 45 Stunden in der Hälfte der Zeit von 22,5 Stunden durchzuführen. Damit spare ich 50% der Personalkosten ein. Sollte ich also bei 23 Stunden angekommen sein, muss jemand anders die Empfänge durchführen (und natürlich auch die Anschluss-Arbeiten). Ich wäre ja sogar bereit, meine Arbeit ganz nieder zu legen, wenn diese von jemand Anderem schneller und noch wirtschaftlicher erledigt werden kann, Joos kennst Du da vielleicht jemanden? Ich kann nicht für die Kollegen*innen sprechen, ob sie noch wirklich Lust haben, in so einem Betrieb zu arbeiten, ich jedenfalls vielleicht nicht mehr so lange… vielleicht kultiviere ich auf dem PaLS-Acker viel lieber Gemüse, was ich hinterher auch essen kann und bleibe dabei locker und entspannt… an der frischen Luft in der Natur

  4. Lieber Joos,
    bitte informiere dich, bevor du so viele Aussagen triffst, die überholt oder falsch sind.

    Zum Beispiel hat das Leitungsteam verantwortlich seine Arbeit aufgenommen. Es hat auf den Misstand hingewiesen und mit Hilfe der neuen Strukturen (also in Absprache mit Personalteam, Vorstand und anderen Teams) drastische Maßnahmen ergriffen.
    Durch die Initiative ist Hohaus auf die schwierige Situation (im Vorgespräch mit dem Vorstand) hingewiesen worden und hat daraufhin seinen Vortrag bei uns wesentlich verändert.
    Bekommst du die Inhalte und Ergebnisse der vielen Arbeitstreffen in diversen Konstellationen, die Entscheidungen und Maßnahmen mit?
    Wenn ja, freue ich mich über konstruktive, ergänzende Kritik, die ich in deinem Beitrag nicht erkennen kann.

  5. @Joos:
    Sich nicht genügend zu informieren, was hier in den letzten Wochen stattgefunden hat und dann eine so fundamentale Kritik zu veröffentlichen, scheint mir eine versteckte Form des Konservatismus zu sein.
    Was nicht neu sein darf, das kann auch nicht neu sein.
    Also es ist ja alles wie immer, die machen ja schon lange die Dinge so falsch, und ich weiß schon so lange, wie es richtig wäre.
    Trautes Heim…
    Schade, daß Dir der lebendige neue Geist rund um erstens die neuen und zweitens die GANZ neuen Strukturen anscheinend entgeht.
    Ich hätte Dich lieber dabei, aber stattdessen muss ich feststellen, daß Du viele Dinge schreibst, die aus meiner Sicht auf der Sachebene falsch sind.
    (Siehe Caytania, siehe Til)
    Und: bist Du nicht immer ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, die Menschen, die hier Verantwortung übernehmen, davor zu schützen, daß sie an den Pranger gestellt und mit rigoroser, pauschaler und fundamentaler Kritik geflutet werden?
    Genau das machst Du hier, finde ich.
    Jetzt kannst Du sagen, daß Du ja niemanden persönlich kritisiert hast, aber die Wirkung Deiner Worte ist genau die.
    Ich fühle für mich selbst in meinen grade täglich mehrfachen Sitzungen in verschiedensten Gremien zu dem Thema meine und unser aller Arbeit durch Deine Worte entwertet.
    Dabei empfinde ich die Arbeit im Verein und mit dem Bildungsbetrieb zur Zeit als ausgesprochen fruchtbar, lebendig und wertvoll.
    Die Kuh ist nicht vom Eis.
    Aber wir sind wirklich wach. Und es geschehen wirklich neue Dinge.
    Und das macht MIR Freude.

  6. Ihr könnt hoffentlich nachvollziehen, dass bei diesen Reaktionen meine Irritation eher größer wird und ich mich bestärkt sehe, auf eine zufriedenstellenden Anwort der oben gestellten Fragen zu dringen.
    (Dass ich sie so spitz und provokant gestellt habe, möge der Wahrheitsfindung dienen; Kuschelkurs kann es in dieser schwierigen Situation, in der es – wenn es wirklich so schlecht um die Finanzen bestellt ist – um drohende Personalentlassungen geht, aus meiner Sicht nicht gebrauchen!)

  7. Joos, deine Fragen, bitte sehr:
    Wer von diesen Menschen dieser kollektiven Struktur übernimmt jetzt die Verantwortung und sagt, was probiert oder versäumt wurde, wo gespart werden soll, wer ggf. entlassen werden muss etc.?

    Das Letungsteam bestehend aus Til, Marthe und mir in enger Abstimmung mit dem Vorstand. Darüber kannst du alle Protokolle in diesem Medium lesen.

    Warum muss uns erst das Steuerbüro auf die Dramatik der Schieflage im Betrieb aufmerksam machen?

    Das ist schlichtweg falsch. Herr Hohaus wollte uns in der JHV ein gutes Zeugnis für 2017 ausstellen, bevor wir ihn baten, die neuesten, weniger schönen Zahlen in seine Analyse einzubeziehen.

    Warum gerät so wieder der Vorstand unter Druck und in die Haftung? Warum müssen wir schon wieder die MV bemühen, um den Betrieb zu retten? Was mich noch mehr irritiert, zumindest wenn ich die Empfehlungen der 8er AG lese, verschwimmt da nicht gerade wieder ganz viel in einem großen WIR, die wir jetzt das Problem schultern sollen? Noch ein bisschen schärfer und auf die Vorschläge der AG bezogen: Wie können die Mitarbeiter eines Kollektivbetriebes auf Gehälter verzichten, wenn sie diese gar nicht erwirtschaftet haben – es sei denn, sie verstehen sich in erster Linie als Mitarbeiter eines Vereins, der dann schon irgendwie für die Verluste aufkommen wird?

    Weil wir uns diese Strukturen als Gemeinschaft gegeben haben und dafür alle die Verantwortung übernommen haben. Ich weiß nicht, ob diese vielerseits betriebene Trennung – da die unschuldigen LebensgärtnerInnen, dort die unfähigen SeminarbetriebsmitarbeiterInnen in irgendeiner Weise konstruktiv ist. Meinst Du, in dem Moment, wo ich mich zur Mitarbeit im SB entscheide, müsste ich automatisch bereit sein, als Teil der Belegschaft das gesamt Risiko zu übernehmen? Davon habe ich nichts gehört, wohl aber, dass ich als Teil der Gemeinschaft Mitverantwortung für das große Ganze trage.

    Was MICH irritiert: Wenn du vielleicht den Seminarbetrieb nicht haben willst, dann sage es doch bitte. Vielleicht ist das eine überfällige Diskussion, die ich mir durchaus wünsche, bevor ich mich weiter für den Betrieb ins Zeug lege.

    Wenn du aber den Betrieb erhalten willst und konkrete Schritte kennst, die uns weiterhelfen, dann gerne her damit.

    Bevor Du aber aus einem Halbwissen und alten Erfahrungen unverdaut Unterstellungen und Unwahrheiten verbreitest, bitte ich Dich, deine Vermutungen erst im Gespräch mit uns zu äußern. Du bist Dir, denke ich, bewusst, welchen Einfluss deine Worte in der Gemeinschaft haben. Ich bitte Dich, hier eine Verantwortung zu sehen, die es gebietet, andere Wege einzuschlagen, als hier einen Feldzug zu beginnen, der die Bemühungen der Teams untergräbt.

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