Kompensationen durch Biotop-Schutz
Im Gegensatz zur Fotovoltaik lassen sich Kompensationsmaßnahmen im Bereich Biotop-Schutz ungleich schwieriger quantifizieren. Während sich bei der Fotovoltaik errechnen lässt, wie viel m² Fotovoltaik-Fläche ich bei einer bestimmten räumlichen Ausrichtung brauche, um eine Flugstunde zu kompensieren, ist dies bei einer natürlichen Wiederbewaldung von Äckern oder Wiesen oder auch bei der Wieder-Vernässung trockengelegter Moore nicht so leicht. Die Wechselwirkungen zwischen einem sich natürlich entwickelnden Biotop und der Atmosphäre (und somit des Klimas) sind komplexer und durch die globale Erwärmung im Wandel und drohen Kipppunkte zu überschreiten (oder haben sie bereits überschritten), die in eine Dominoeffekt-artige Dynamik auslösen, die die Evolution womöglich um Jahrmillionen zurückwirft. Ich möchte an dieser Stelle Joachims Aussage „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“, um eine wichtige Wahrheit ergänzen, nämlich um die abgemilderte Aussage von Wilhelm Busch, die da lautet: „Das Gute, dieser Satz steht fest, ist (stets –> auch) das Böse, das man lässt.“ Ersetzen wir „das Böse“ mal durch „das Schädigende“ sehen wir ja das Grundmotiv unserer Kompensation-Bemühungen. Eben weil wir ja durch unserer Art zu leben, die Biosphäre schädigen, wollen wir ja kompensieren, jedenfalls sollten wir das tun, nicht zuletzt auch für eine lebenswerte Zukunft unser Spezies.
Die Frage wie viel m² der Oberfläche unseres Heimatplaneten muss über wie viel Jahrhunderte der natürlichen Waldentwicklung überlassen bleiben, um eine Flugstunde zu kompensieren wird wohl keiner so genau beantworten können. Dennoch scheint mir dieser Weg der Schadvermeidung und Heilung der Biosphäre der nachhaltigste. Das heißt nicht, dass wir nicht technische Möglichkeiten zur emissionsfreien Energiegewinnung dringend und zwingend nutzen müssen, um die katastrophalen Folgen unserer zerstörerischen Konsum-Wachstums-Ideologie abzumildern.
Sicher es braucht auf dem Weg „Flächen wieder dem Wirken der Natur zu überlassen“ Geduld bis nach Jahrzehnten die Resultate unübersehbar werden. Aber wenn man nicht grade ein Fotovoltaik-Monteur ist, der handgreiflich eine solche Anlage baut, so können doch sicher die Meisten von uns diesen Weg handgreiflich unterstützen, z.B.
- durch Schaffung mikroklimatischer Nischen durch Einbringen von Totholz oder
- durch Einbringen von selbstgesammelter Saat von Pioniergehölzen.
und das erscheint mir wohl die sinnlichste Form von Selbstwirksamkeit. Und ich kann Jahr für Jahr beobachten, wie immer mehr Arten sich ansiedeln auf ihrem Weg hin zu einer sich an die wandelnden klimatischen Bedingungen anpassungsfähigen Waldgemeinschaft. Könnte hierbei Perma Kultur Wald e.V. der geeignete Kooperationpartner sein?