Transparenz

Liebe Alle,

um es für euch transparent zu machen, möchten wir von der WiL-Gruppe euch über unseren Weg zu den Empfehlungen für das Haus Nr. 29 berichten.

Auch, weil wir es für anschaulich halten, was uns währenddessen öfters wie Stolpersteine vorkam, aber auch wichtige Prozesse sichtbar machte.

Zunächst mal die Historie: am 14.Dezember 20 schickte Manuel uns seine Ankündigung, dass er den LG verlassen und sein Haus somit frei werde. Er machte selbst auch Vorschläge, wem er das Haus gerne überlassen würde: Astrid Jansen, die schon länger oben wohnte und Maike mit Tochter Carla.

Direkt danach haben sich insgesamt 9 Erwachsene, mit zwei Kindern (Familie Krane) und einem Kind (Maike u. Carla) für das Haus beworben.

Noch vor Weihnachten, am 22.12.20, haben wir WiL’s uns dann getroffen, um zu sichten, wen wir dem Stiftungsvorstand (Paradise now) als Bewohner/Innen vorschlagen wollen.

Und dann ging’s los: zum ersten Mal stießen wir massiv darauf, dass es für uns verschiedene Kriterien oder Perspektiven gab, nach den entschieden werden kann und wir uns immer wieder fragten, was denn Priorität haben sollte – das war nicht wirklich klar. Daraus hat sich später in unserem Prozess die Umfrage entwickelt, die wir vor kurzem in den Infogarten gestellt und die viele von euch auch beantwortet haben.

Wir merkten, wie schwierig es ist, aus der, dieses Mal großen, Zahl der sich Bewerbenden eine in unseren Augen gerechte Auswahl zu treffen, unsere Empfehlung fiel dann auch entsprechend gespalten aus. Nachdem einige von uns am darauffolgenden Tag die getroffene Wahl für zu wenig fundiert hielten, teilten wir allen Bewerber*innen und auch dem Stiftungsvorstand mit, dass wir an einem Abend noch keine Entscheidung fällen konnten, sondern gerne noch Gespräche mit Einzelnen führen wollten, um mehr Klarheit über Notwendigkeit und Motivation für die Bewerbung herauszufinden. Auch, dass wir so oder so Menschen enttäuschen würden, weil halt eine Auswahl zu treffen ist.

Gespräche haben dann zum Ende der Weihnachtsferien und dem Jahresanfang stattgefunden.

Im Weiteren haben wir uns dann am 08.01.21 wieder getroffen, um aus allen bisher gesammelten „Bausteinen“ zu entscheiden, wen wir empfehlen werden. Auch dieses Mal konnten wir uns, trotz mehrerer Gesprächsrunden, nicht einig werden. Der Grund dafür: wir stellten fest, dass jede/r von uns entweder eine persönliche Betroffenheit oder Bindungen zu Einzelnen der Bewerber/Innen hatte oder aber die weitere Entwicklung des Vereins im Vordergrund sah.  Die Diskussion wurde sehr emotional geführt, ein sachliches Entscheiden war nicht möglich, schließlich geht es um Menschen!

So stark war das bisher nie im Vordergrund gewesen, dieses Mal jedoch, durch die höhere Zahl der Wohnraum-Suchenden zeigte es sich deutlich als ein Stolperstein. So konnten wir dem Stiftungsvorstand als Ergebnis wieder keine einheitliche Empfehlung geben, sondern drei gleichwertige Prioritäten vorschlagen. Im Sinne der von uns angestrebten Transparenz gegenüber allen Beteiligten haben wir auch diese Mail wieder den Bewerber/Innen zugeleitet.

Nach einer individuellen Rücksprache mit einem Mitglied des Stiftungsvorstands, in der deutlich wurde, dass auch dieser keine einvernehmliche Entscheidung treffen konnte, haben wir uns dann ein drittes Mal am 22.01. getroffen, mit dem Ziel, einen einstimmigen Mehrheitsbeschluss zu entwickeln.  Nachdem wir noch eine andere,  vierte Konstellation  herausgearbeitet hatten gelang uns dieses, bei einer Enthaltung, schließlich auch.

Der Stiftungsvorstand hat sich am 08.02.21 getroffen und den Einzelnen zeitnah seine Entscheidung mitgeteilt.

Wie ihr seht, ist uns in diesem Prozess die Leichtigkeit verloren gegangen oder man kann sagen: wir haben es uns nicht leicht gemacht… aber daraus ein Erkenntnis gewonnen: Die Klärung der Kriterien/Prioritäten, nach denen sich die Gemeinschaft ausrichten will, ist uns für unsere Empfehlungen wichtig . Das Ergebnis der Umfrage, das ihr im Folgenden lesen könnt, gibt schon eine eindeutige Richtung vor: Nutzen und Wohl der Gemeinschaft sollen die oberste Priorität haben.  Es ist uns klar, dass das Wohl der Gemeinschaft auch aus unterschiedlichen Perspektiven heraus beurteilt werden kann und es auch dabei keine einheitliche Meinung geben wird, dennoch lässt es sich recht deutlich von einzelnen rein persönlichen Bedürfnissen und Notwendigkeiten unterscheiden. ( …bei dem Versuch unserer Definition haben wir hier zunächst  die Entwicklung und die Belange des Vereins in den Vordergrund gestellt, wohl wissend, dass die Gemeinschaft mehr als nur der Verein ist).

So, und nun endlich das Ergebnis unserer Auszählung, es ergeben sich – je nach Zählweise – unterschiedliche Rangfolgen :

  1. a) Bei der ausschließlichen Wertung der 1. Priorität ergab sich folgende Stimmanzahl:

Gemeinschaft: 25,  Not 6, Aufteilung und Lage 4, Dauer des Suchens und Nachbarschaft :jeweils 2                                                                                                                        

  1. b) Bei der Auszählung aller abgegebenen Stimmen haben wir den jeweiligen Wert der Positionen 1 –6 mit der Anzahl der Stimmen multipliziert und folgendes Ergebnis erhalten:

Gemeinschaft: 195 Punkte,  Aufteilung und Lage: 108 Punkte, Not: 107 Punkte, Dauer der Suche: 94 Punkte, Nachbarschaft:  81 Punkte, Bereitschaft zum Ausbau: 26 Punkte

An dieser Stelle noch einmal 1000 Dank an alle, die sich beteiligt haben.

Diese Auswertung dient erst einmal als Orientierung und entbindet die WiL-Gruppe nicht von der Betrachtung jeder individuellen Bewerbung und einer Abwägung in dem Sinne, in dem du, Caitanya es in deinem Kommentar beschrieben hast. Es ist uns bewusst, dass es objektive Entscheidungen in diesem Feld nicht geben wird, jede/r, die/der in der Wil-Gruppe mitwirkt, wird persönliche Ambitionen mehr oder weniger bewusst in die Diskussionen einbringen (so wie es überall  in Vereinen oder politischen Gemien oder oder geschieht ).  Um in die Empfehlungen für die Vergabe von Wohnraum hier in der Gemeinschaft  möglichst viele, auch unterschiedliche Aspekte einfließen lassen zu können ist  eine gute Durchmischung der Gruppe sinnvoll. In unserer derzeitigen Konstellation ist diese – zumindest alters- und geschlechtsmäßig – nicht mehr gegeben.

Nach circa sechs Jahren überwiegend freudvoller Zusammenarbeit in unterschiedlichen Besetzungen rund um unsere „Gründungsmutter “ Franziska möchten wir nun unser Wirken in der jetzigen Zusammensetzung beenden und im April 2021 zu einer soziokratischen Neuwahl einladen.

Viele herzliche Grüße von eurer WiL-Gruppe

 

1 Kommentar zu „Transparenz“

  1. Danke für eure Darstellung dieses aufwändigen Prozesses. Sie zeigt aus meiner Sicht, wie schwierig die Wohnraumvergabe sein kann, weil wir uns hier im Kontext der Gemeinschaft in so vielen verschiedenen Rollen als Vereinsmitglieder, als Freunde, als fühlender Mitmensch in Notlagen, in bestimmten Aufgabenzuteilungen etc. begegnen. All diese verschiedenen Aspekte in einen guten und für alle tragbaren Teamkonsens zu bringen, grenzt wahrscheinlich manchmal an die Quadratur des Kreises. Für den Stiftungsvorstand kommt zu diesen verschiedenen Aspekten noch die Vermieterrolle hinzu und ich empfinde diese kritischen, weil strittigen Vergabeentscheidungen dort immer wieder als menschliche Zumutungen.

    Um so mehr Dank, dass ihr euch dieser Aufgabe über die Jahre so verläßlich angenommen habt und damit uns als Gemeinschaft im Zugehen auf Bewerber und neue Mitglieder einen großen Dienst erwiesen habt.

    Unsere Arbeit im Stiftungsvorstand habt ihr damit wesentlich erleichtert. Auch dafür vielen Dank!

    Und schließlich: Gut, dass ihr mit eurer Befragung für mehr Orientierung gesorgt habt, was sich die Gemeinschaft von der WiL-Gruppe wünscht. Möge das die Arbeit in der WiL-Gruppe für die Zukunft einfacher machen!

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