Begegnung der Kulturen im Lebensgarten

In der Zeit des abgesagten Wochenendes zur Gemeinschaftsbildung trafen sich den ganzen Sonntag über zehn Lebensgärtner*innen, um sich innerhalb eines geschützten Rahmens mit dem vorgesehenen Thema  BEGEGNUNG DER KULTUREN  zu verbinden.

Zuerst wurde gemeinsam in die Stille gegangen. Zur Einstimmung lauschten alle dem Aufruf von White Eagle  vom Stamm der Hopi WIDERSTAND DURCH FREUDE .

Dann wurde das Mantra gesungen  “ May the great Spirit grant You Peace of Mind „

In der ersten Redestab-Runde wurde mehrfach Dank geäußert für die Initiative zu dieser Einladung und für den sicheren und schönen Rahmen.

In der zweiten Redestab-Runde gab es viele erhellende Einblicke in die teils langjährigen, wechselvollen Erlebnisse und Geschichten der Einzelnen. Alle empfanden es als Segen, hier in der Gemeinschaft leben zu dürfen und das hier Geschaffene würdigen zu können. Immer wieder wurden auch die Kraft absaugenden Energien benannt.

Nachmittags kreiste der Redestab zur Frage  “ Was und wie machen wir jetzt ? “   Als Ergebnis waren alle mit dem gemeinsam entwickelten Vorschlag einverstanden:

Die herbstliche Natur zu durchstreifen, um sich von einem Gegenstand finden zu lassen, der die individuell am stärksten wahrgenommene Kultur im Lebensgarten verkörpert. Anschließend legten alle die gefundenen Gegenstände rund um eine Feuerstelle und teilten sich mit, für welche Kultur diese jeweils stehen sollten.

  • ein schön gebänderter Stein und eine glatt geschliffene Muschel für die Gründungsmitglieder
  • ein Stück Birkenholz für die Jungen Leute
  • eine vielfarbige Pflanze für die Kulturküche
  • eine stachelige Sukkulente mit schönem Muster und Spitzen für den gesamten Lebensgarten
  • grünes Moos verkörperte die Neuankömmlinge
  • eine Quitte mit Schimmelpilz und ein vergessenes Feuerzeug stand für die Männliche Energie
  • für die Unentschlossenen gab es kein passendes Symbol

Bei dieser Übung gab es zunächst keine*n, die/der die Energie der Moynies vertrat und es wurde bedauert, dass niemand aus dieser Gruppe anwesend war

Anschließend schlüpften die Teilnehmenden nacheinander in die Rolle ihres Gegenstandes und sprachen aus der Sicht der jeweiligen Kultur.

Stein und Muschel
Ich stehe für die „alten“ LebensgärtnerInnen. Wir haben vor langer Zeit mit viel Schwung und Energie diesen schönen Ort geschaffen. Einige von uns sind sehr alt und zerbrechlich geworden. Andere haben sich zurück gezogen.
Wir fühlen uns nicht genügend gesehen in dem, was wir alles aufgebaut haben. Wir freuen uns über die junge, tatkräftige Energie, sind aber auch traurig, Abschied nehmen zu müssen von ehemaligen Visionen.

Birkenscheit
Ich stehe für die jungen Menschen, die hier landen und voller Ideen sind. Wir sind dankbar und staunen über alles, was schon geschaffen wurde. Aber wir wünschen uns Strukturen, in denen wir uns sicher fühlen und unsere Aufgaben im LG finden können. Es gibt keinen Ort und keinen verläßlichen Rahmen, wo wir uns untereinander und mit den LebensgärnerInnen treffen können.

Bunte Pflanze
Ich stehe für die Kulturküche. Ich war ein Ort der Feste, der Musik, des Tanzes. Der Chor hat hier geübt. Nun liegt alles brach. Es ist unklar, was aus mir werden kann.

Grünes Moos
Ich verkörpere die Neuen im LG. Viel frisches Grün will wachsen. Begeisterung und Neugier sind mein Antrieb. Aber es ist so schwer, Fuß zu fassen. Es gibt keine Struktur, keinen Treffpunkt, keine Mitte, an die wir uns halten können. So wurschteln wir vor uns hin, lernen hier und da jemanden kennen und müssen lange herumprobieren, bis wir eine Aufgabe für uns gefunden haben.

spitze Pflanze                                                                                                                                                                                Ich verkörpere den gesamten LG. Unter meinen Blättern gibt es zarte neue Triebe, die leuchten und alte knorrige, verholzte Teile. Die kleinen weichen Stacheln, die nicht verletzen, stehen für Abgrenzung und Schutz vor Überforderung. Meine Blüte hat schon vor langer Zeit geblüht. Alles ist im Wandel, Leben und Sterben. Auch ich werde wieder blühen.


kein Gegenstand
konnte mich finden – ich stehe für die Unentschlossenen. Es ist gemütlich im LG. Ich habe einen schönen Garten und ein warmes Zimmer. Mal zieht es mich hierhin, dann wieder dahin. Ich entscheide mich für Nichts und lege mich nicht fest . . .   Soll ich Mitglied werden, oder nicht ?

Gartenschere
Ich stehe nun doch für die Moynies. Wir sind eine tolle Truppe. Im ersten Lockdown haben wir eine intensive Zeit verbracht und konnten das verarbeiten, womit wir im Herbst zuvor hier bereits begonnen hatten:
Schnell und entschlossen einen Stall bauen. Reparieren. Mit Taten anwesend sein. So wurden wir gesehen und wir haben gehört, dass wie hier gebraucht werden. Der Seminarbetrieb klingt spannend. Ist nicht für uns alle was – aber einige trauen es sich zu. Es wird sicher noch ein bis drei Jahre dauern, bis wirklich etwas Neues entstanden ist.

Quitte und Feuerzeug
Ich stehe für die nur schwach wahrnehmbare männliche und väterliche Kraft. Das Patriarchat, die Nazis und das Militär haben viel dunkle Energie an diesem Ort angehäuft.
Dann haben aktive Männer und Frauen hier gesiedelt und Gemeinschaft aufgebaut und gelebt. Allmählich gewann die vernetzte Energie der Frauen die Oberhand über die männlichen, vereinzelten Kräfte. Erst seit einem Jahr machen sich einige Männer mit kürzerer und mittlerer Dauer der Zugehörigkeit wieder daran, auf regelmäßigen Treffen den Austausch zu pflegen und näher in Kontakt zu kommen miteinander.

Welche Energien wurden noch wahrgenommen, die nicht vertreten waren ?

*    die Kinder
*    die männlichen „Urgesteine“
*    Spiritualität im Alltag
*    das PALS

Zum Abschluss wurde die gemeinsam aufgebaute Energie in den Abendhimmel über dem Lebensgarten geschickt und vereinbart, sich in diesem Format monatlich zu versammeln. 

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