Liebe Lebensgärtner*innen, auf Anregung mehrer Beteiligter an dem Treffen des Koordinationskreises, lass ich euch alle nun am Austausch teilhaben:
„Lieber Vorstand,
am 20.02. habe ich am Treffen des Koordinationskreises teilgenommen. Dort waren ausser Dagmar und Friedo vom Vorstand weitere neun Personen, die Verantwortung für den Bildungsbetrieb die meisten seit Jahren übernehmen.
Nachdem Dagmar den Standpunkt des Vorstands klargestellt und Friedo die Wichtigkeit und Dringlichkeit der finanziellen Massnahmen unterstrichen hatte, brachte jede der anwesenden Personen, die meisten sprachen für ein Team, ihre Sicht und ihr Engagement für einen finanziellen Aufschwung des Seminarbetriebs zum Ausdruck. Ich war beeindruckt von der Klarheit und Untermauerung der Äusserungen mit Zahlen und Erfahrungswerten und dem Willen sich nicht nur für ein Überleben sondern für den Erfolg des Seminarbetriebs einzusetzen. Ich war berührt zu hören, wie viele bereits jetzt unbezahlte Arbeit leisten, weil ihnen der Betrieb am Herzen liegt. Zum Abschluss formulierte dankenswerter Weise Dagmar unsere Vereinbarungen auf der Flipchsrt, damit einerseits uns allen klar war, was wir tun werden und andererseits, damit sie authentisch mit der Flipchart den Vorstandskolleg*innen berichten könne. Sie machte uns darauf aufmerksam, dass sie und Friedo nun nicht für den ganzen Vorstand beschließen könnten. Doch habe ich und vermutlich alle anderen im Raum dem Vorstand vertraut, und wir gingen davon aus, dass er diese Vereinbarungen unterstützt.
Ich bin entsetzt und erschüttert, dass der Vorstand die getroffenen Vereinbarungen nicht unterstützt, sondern ganz im Gegenteil sie ablehnt und auf der nächsten MV erneut über den Fortbestand des Seminarbetriebs sprechen möchte.
Ich bin entsetzt, aus verschiedenen Gründen:
1) weil ich mir Vertrauen des Vorstands in seine eigenen Mitglieder wünsche, wenn diese beauftragt sind für den Vorstand zu sprechen.
2) Ich bin erschüttert, dass der Vorstand den Mitgliedern des Koordinationskreises nicht vertraut.
3) Ich bin erschüttert, dass er die Auswirkungen seiner Entscheidungen auf die Gesundheit der Mitarbeitenden nicht überblickt. Die Drohung mit Kündigungen, sind selbstverständlich Thema Nummer Eins bei allen Mitarbeitenden, diese Drohung bedeutet enormen Stress, der nun schon lange andauert. Mitarbeitende sind krank geworden, stehen kurz vor dem Burn-out und wollen kündigen, weil sie es nicht länger aushalten wollen und können. Sie können die Entscheidungen nicht nachvollziehen genauso wenig wie ich.
4) Die Aussage, der Vorstand wolle den Seminarbetrieb erhalten, erscheint unglaubwürdig.
5) Die Glaubwürdigkeit des Vorstands ist verloren gegangen und damit auch die Glaubwürdigkeit unserer Institutionen, wie dem Koordinationskreis, dem Leitungsteam. Ich bedauere das zutiefst.
Ich frage mich, wer das will.
In der E-Mail des Vorstands an „Koordination“ steht, dass der Vorstand sich friedlich darauf geeinigt hätte, den in Koordination getroffenen Vereinbarungen nicht zu folgen.
Um diesen Prozess nachvollziehen zu können, bitte ich darum, die Gespräche transparent zu machen und zu erklären, welche Interessen bzw. Bedürfnisse im einzelnen mit diesem Ergebnis erfüllt werden sollen.
Ich bin überzeugt davon, dass wir ein win-win-win- Ergebnis finden, sobald uns die Bedürfnisse aller klar geworden sind.
Eure Katharina Sai,
die die Hoffnung nicht aufgibt, dass es uns gelingt Konflikte zur Zufriedenheit aller zu lösen, möglichst noch in diesem Leben. Das Zeitalter des Mitgefühls ist angebrochen, sind wir die Vorreiter*innen?“
Ich war ebenfalls bei besagtem Treffen anwesend und teile Katharinas Wahrnehmung hundertprozentig – danke, Katharina, für deine klaren Worte!
Auch von mir die große, große Bitte an den Vorstand, sich über die Konsequenzen ihrer angedachten. Maßnahmen klar zu werden.
Und gleichzeitig der Hinweis, dass sich auf dem SB-Konto z. Z. ca. 75.000 Euro befinden. Es wurde und wird kein Geld vom Vereinskonto genutzt, diese Angst mancher Mitglieder ist vollkommen unbegründet. Die Löhne können ganz entspannt gezahlt werden. Warum sollen drei Viertel der MitarbeiterInnen entlassen werden??? Ich verstehe das nicht.
Wir müssen schon schauen, wie wir den Betrieb auf gesunde Füße stellen. Ein „weiter so“ wie in den letzten Jahren oder Jahrzehnten soll es nicht geben. Ich empfinde die Gremien des SB aber auf dem Weg dazuund offen für SINNVOLLE Veränderungen, von denen viele bereits umgesetzt sind.
Ich Wünsche mir eine kooperative Zusammenarbeit darüber mit dem Vorstand. Das o.g. Treffen war ein wunderbarer Schritt dahin. Ich bin traurig, dass jetzt auf alte, autoritäre Strukturen zurückgegriffen wird.
Liebe leute, transparenz über die entscheidungsfindung des vorstands fände ich auch interessant, vielleicht auch, um die wogen zu glätten?
Gleichzeitig finde ich es nicht richtig, (zu 3.) den vorstand, lapidar gesagt, dafür schuldig zu machen, dass es mitarbeiterInnen nicht gut geht.
Seit ich im lebensgarten bin (5 1/2 jahre) geht es ständig mitarbeiterInnen des seminarbetriebs nicht gut und es laufen ‚komische geschichten‘. Es gibt nur jetzt mal wieder einen akuten auslöser, dieses sicherlich viel tiefer liegende problem sichtbar zu machen.
Sicherlich hätte fast jeder was zu diesem beitrag zu sagen.. ich belasse es mal hierbei..
Lapidar gesagt, finde ich es genauso wenig erstrebenswert und bereichernd, als Mitarbeiterin im Seminarbetrieb seit etlichen Jahren offenbar Teil, Trägerin und gleichzeitig (Unt-)Erhalterin (nach Meinung vieler nicht Beteiligter) eines irgendwie gearteten Traumas, blinden Flecks, unerlösten Konflikts oder wie immer man es nennen mag der Gemeinschaft, des Platzes, der Energie zu sein.
Und gleichzeitig nach außen hin den Klienten dieses Betriebes davon natürlich nichts zeigen zu wollen und zu sollen.
Früher war ich mit Stolz und Freude der Überzeugung, dass unser Alleinstellungsmerkmal im Seminarbetrieb, das, was die Gäste an uns besonders fanden, die Gemeinschaft ist.
Interessanterweise höre ich das immer noch sehr oft von Gästen, obwohl ich es selbst nicht mehr vermitteln kann, einfach weil es keine Zeit mehr dazu gibt.
„Nur mal wieder einen akuten Auslöser“… ja…
Wird ja dann wahrscheinlich der letzte aus dieser „Abteilung“ sein, insofern… Jauchzet, frohlocket….
Danke, Katharina, 100% Zustimmung
Ihr Lieben,
bei allem Verständnis für die aktuell hohe Emotionalität dürfen wir doch die Fakten nicht ignorieren. Weder Überdramatisieren noch Beschönigen ist jetzt angesagt und auch das Auseinanderhalten von Fakten und Meinung in der Diskussion ist wichtig.
Anhand meines jetzigen Einblickes in die Finanzen und durch verschiedenste Gespräche stellt sich die Sachlage für mich so dar:
– Der Seminarbetrieb hat im letzten Jahr lt. Steuerberater 80.000€ Verlust gemacht
– er schuldet „dem Verein“ (ideeller Bereich) rd. 30.000€ (Nebenkosten und Zahlungen, die noch auf andere Konten umgebucht werden müssen)
– er gibt seit Jahren für seine Dienstleistungen mehr Geld aus als er dafür einnimmt
– das Geld auf seinem Konto sind hauptsächlich Anzahlungen für Seminare- das Geld ist wie ein Kredit anzusehen und darf nicht einfach ausgegeben werden
– der größte Posten bei den Ausgaben sind die Personalkosten
– Der Verein übernimmt seit Jahren 30% der Lohnkosten aller Mitarbeiter
– Der Verein selbst hat insgesamt Schulden/Darlehen von rd. 160.000€
Da finde ich es verständlich, dass der Vorstand seine Verantwortung nimmt und die Notbremse zieht. Jedoch:
– der Vorstand will sehr wohl den Fortbestand eines (wirtschaftlich gesunden) Seminarbetriebs
– er kann bei finanziellen Versäumnissen juristisch verantwortlich gemacht werden
– er vermisst Umstrukturierungen im Seminarbetrieb, die tatsächlich eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in Aussicht stellen
Und nun meine Meinung zu den Themen:
Es hilft uns überhaupt nicht weiter, wenn wir jetzt die Probleme personifizieren und anfangen zu polarisieren, wie „der böse Vorstand gegen die armen Mitarbeiter“. Alle Beteiligten müssen aus dem blöden Täter-Opfer-Spiel aussteigen und ganz erwachsen Verantwortung übernehmen- auch für die eigene Krankheit/Krankschreibung oder ein burn-out. Wie Lara richtig schreibt, gibt es das Phänomen des Ausgebrannt-Seins schon seit Jahrzehnten.
Denn die eigentlichen Fronten, zwischen denen wir immer wieder zerrieben werden sind die knallharten Anforderungen des Marktes an ein Wirtschaftsunternehmen wie es der Seminarbetrieb nun einmal ist und unser beharrliches Festhalten an kostspieligen Idealen und Gewohnheiten und unserem liebenswerten, ja rührenden Dilettantismus in Sachen Geld.
Wir haben ein strukturelles Problem: Es gibt keine Geschäftsführung, die die volle finanzielle Verantwortung für den Seminarbetrieb übernimmt und auch mal unpopuläre Entscheidungen trifft. Diese Rolle übernimmt nun notgedrungen der Vorstand und bezieht jetzt dafür die Prügel.
Im Leitungs-, Koordinations- und Personalteam ist strukturell ein Interessenskonflikt zwischen Wirtschaftlichkeit und Personal-Interessen angelegt, dem die Beteiligten nicht gerecht werden können. Diese Art der Selbstverwaltung kann nur in einem Kollektiv funktionieren, wo jedes Mitglied die finanziellen Konsequenzen seines Handelns mit trägt. Dann würde auch genauer geprüft werden, ob die Qualifikation für eine bestimmte Arbeit vorhanden ist, bevor jemand eingestellt wird.
Der Seminarbetrieb hat gute Rahmenbedingungen und könnte mit weniger Lohnkosten wirtschaftlich arbeiten. Aber es braucht eine völlig neue Struktur, bei der nicht mehr Vorstand und Mitglieder mitreden (müssen), weil sie die finanzielle Verantwortung tragen (müssen).
Vielleicht braucht es das jetzige Chaos, damit etwas Neues entstehen kann. Lasst uns gemeinsam eine neue Struktur finden, ich bin gerne bereit das zu unterstützen.
Joachim
Hallo Joachim,
ich bin als Teil des Personalteams sehr daran interessiert, dass wir dazu beitragen, die Lohnkosten zu reduzieren, damit der Seminarbetrieb wirtschaftlich arbeiten kann. Wir können jedoch den Seminarbetrieb nur aufrrecht erhalten, wenn wir die gebuchten Seminare bedienen können. Mit 4 Personen, wie ursprünglich vom Vorstand angedacht, funktioniert das nicht. Wenn der Vorstand alle Mitarbeiter*innen bis auf 4 Ende März kündigt, stürzt das den Seminarbetrieb in ein Chaos, was das absolute Ende bedeutet. Hinzu kommen nicht zu überblickende Konventionalstrafen, die dann zu zahlen wären.
Wir haben ja jetzt schon zu wenig Personal. Trotzdem sehe ich die Notwendigkeit, Personal zu reduzieren. Es wäre hilfreich, wenn die Lebensgärtner*innen mehr Bereitschaft hätten, ehrenamtliche Arbeiten zu übernehmen.
LG Chris
Liebe Chris… interessant… hast du zum Thema Stornogebühren recheriert??
Egal, welche Strafen anfielen: Wenn wir jetzt Seminare absagen, können wir den Standort Lebensgarten als Ort für Seminare
für viele Jahre vergessen!
Joachim, mich verwundert, dass auch du von dem Zustand im September 2018 ausgehst und anscheinend nicht einmal wissen WILLST, was seither an Umstrukturierungen stattgefunden hat. Als Beispiel seien hier die bereits umgesetzten Lohnkostenreduzierungen von 25% zu nennen. Wie kann erwartet werden, dass es maroder Betrieb ohne jegliche finanzielle Investition nach nicht einmal 6 Monaten Reformprogramm schwarze Zahlen schreibt? Wie kann es sein, dass es als verantwortungsvolle Lösungsoption angesehen wird, einfach mal soviele Menschen zu entlassen, bis die Zahlen auf dem grünen Tisch stimmen und dann zugesehen werden soll, wie gut belegte Seminare abgewickelt werden? Ich finde es extrem unfair, dass sehr viele Menschen so schnelle Urteile parat haben und gerade von dir hätte ich mir mehr Differenziertheit gewünscht. Ich hoffe, dass diesbezüglich auf der MV wenigstens einmal offenen Ohres und Herzens zugehört wird.
Danke Joachim, danke Vorstand für die Verantwortungsübernahme.
Ich freue mich auf ein Konzept und den dazugehörigen Projektplan, aus dem eine wirtschaftliche Nachhaltigkeit und die Schritte dahin hervorgehen.
Das wäre ein notwendiges Novum. Gerade wegen unserer langen Tradition der Unwirtschaftlichkeit gilt es hier genau hinzusehen. Und wenn die Planung einer kritischen Kontrolle nicht stand hält, sollte sie nicht umgesetzt werden.
Was braucht das Leitungsteam, um so einen Projektplan zu erarbeiten?
Til, woher weißt du, dass du dich „auf ein Konzept und den dazugehörigen Projektplan, aus dem eine wirtschaftliche Nachhaltigkeit und die Schritte dahin hervorgehen“ freuen kannst?
Woher weißt Du, dass es bislang keinen Plan gibt, „unserer langen Tradition der Unwirtschaftlichkeit“ entgegenzuwirken?
Lest bitte genau was ich geschrieben habe und unterstellt mir nicht irgendwelche Aussagen, die ich gar nicht gemacht habe.
Sorry,ich lese da nichts anderes. Aber das kannst du mir dann ja morgen persönlich erklären.