In Vorbereitung der kommenden Sonder-MV und zum Abschluss unserer Tätigkeit hier unser Abschlussbericht – zugegebenermaßen viel Text, wir würden uns jedoch freuen, wenn ihr ihn in Anerkennung unserer Arbeit zur Kenntnis nehmen würdet:
Unsere Entwicklung und Tätigkeit als Sozialkreis
Leitziel unseres Tuns war es, einen Beitrag zur Verbesserung der Kommunikation im Lebensgarten zu leisten.
Nach der soziokratischen Wahl unseres 6-er Teams im Oktober 2015 sahen wir uns zunächst vor die Aufgabe gestellt, unseren Auftrag zu präzisieren und daraus ein Mandat zu erarbeiten. Schnell wurde uns klar, welch vielschichtige Aufgaben und hohe Erwartungen an uns herangetragen werden würden. Um dem zu entsprechen, hätten wir die Rollen eines Ältestenrats, Mediators und Friedensrichters, Supervisors, Normgebers, Sozialarbeiters, Verkehrspolizisten, Gartenpflegers etc. annehmen können und zugleich eine umfassende und ständige Präsenz im Zusammenleben der Gemeinschaft einnehmen müssen. In diesem anfänglichen Klärungsprozess konnten wir zwei unterschiedliche Positionen innerhalb der Gruppe nicht integrieren und sind aus diesem Grund von sechs auf eine Gruppengröße von vier Personen geschrumpft. Diese Gruppengröße erwies sich aber als gut für unsere Form der Zusammenarbeit.
In der neuen Konstellation empfanden wir die Erwartungen (z.B. in Form der Frage, was der Sozialkreis denn eigentlich mache) gepaart mit gelegentlichen Abwertungen („ihr tut ja nichts“) zunächst als Druck, ob unser Tun denn ausreiche. Die Ebene, auf der wirken zu wollen wir uns entschieden haben, fand nicht immer bei allen Gemeinschaftsmitgliedern Verständnis. Wir erlebten als Feedback auf unsere Arbeit vor allem in der ersten Hälfte unserer Tätigkeitszeit zum einen Äußerungen von Frustration und auch Ungeduld, auf der anderen Seite auch viel Wertschätzung und Dankbarkeit. Hier galt es immer wieder sensibel zwischen äußeren Erwartungen und unserer eigenen Haltung dazu zu balancieren. Wir hoffen, dies ist uns insgesamt einigermaßen gelungen.
Für uns selbst ging es darum, die hohen Erwartungen an unser Tun auszuhalten und gleichzeitig zu wissen, dass wir ihnen nur sehr begrenzt würden entsprechen können.
In der Reflexion dieser Drucksituation glaubten (und glauben) wir darüber hinaus einen Bestandteil unserer Aufgabe als Sozialkreis zu erkennen. Wir erkannten darin zum Teil eine Dynamik, die uns für den Lebensgarten auch an anderen Stellen typisch erscheint: Wir haben dies beschrieben als Schatten unseres starken Strebens nach einer lebenswerteren Welt. Dieses Streben führt uns sicherlich als konstruktive Kraft hier in der Gemeinschaft zusammen und beschert uns viel Wachstum und Gedeihen. Sie birgt aber aus unserer Sicht AUCH die Gefahr einer Verführung, eine Art „Heilserwartung“ auf einzelne Verantwortungsträger zu entwickeln, an denen eigene Enttäuschungen und Schmerz über die Begrenztheit dieser Welt abgearbeitet werden, z.B. in Form von Unzufriedenheit, Abwertung oder auch Schuldzuweisung.
In den vielfältigen Gemengelagen von Vorstellungen, Idealen, Themen und Konflikten im Lebensgarten, gleichzeitig ausgestattet mit wenig Entscheidungsbefugnis war unsere Haltung als Sozialkreis davon geprägt, nicht unaufgefordert in diesen Gemengelagen agieren zu wollen, sondern die Themen und Konflikte in erster Linie bei ihren jeweiligen EignerInnen zu lassen (als zunächst einmal natürliche, zumutbare und wichtige Erscheinungsformen des menschlichen Lebens). Wir sind deshalb nur dann tätig geworden, wenn wir eine klare Auftragslage ausmachen konnten. Konnten wir diese erkennen, haben wir versucht, für die jeweiligen Themen kommunikative Räume zu schaffen, sei es in Gesprächen mit Einzelnen oder mit Gruppen, durch schriftliche Beiträge oder Anschreiben, in MV-Beiträgen oder Sonder-MVs, Aufstellungsveranstaltungen oder Forums- bzw. Gemeinschaftswochenenden.
Haben wir uns als Folge dieser Überlegungen zunächst für private Konflikte zwischen LebensgärtnerInnen nicht zuständig gefühlt, so haben wir diese Zurückhaltung später im Laufe unserer Mandatszeit zugunsten eines konkreten Unterstützungsangebots zur Konfliktklärung aufgegeben.
Besonders wichtig im Sinne unseres Leitziel war es für uns, eine Veränderung im Umgang mit elektronischer Kommunikation zu ermöglichen. Hier bot die Zusammenarbeit mit Matthias Drees und in der Folge dem iTeam die große Chance zur Veränderung, die wir gemeinsam für die Initiative und den Aufbau des Infogartens genutzt haben.
Schließlich haben wir durch die Veröffentlichung aller unserer Protokolle versucht, ein hohes Maß an Transparenz unserer Arbeit zu schaffen und die internen Diskussionen zu befruchten.
Wir hoffen, wir konnten mit unserer Arbeit einen Beitrag leisten, die Menschen im Lebensgarten mehr in den unmittelbaren Austausch zu bringen.
Die Themen, mit denen wir uns befasst haben, sind nachstehend aufgeführt. Die Begleitung der Krise im Seminarbetrieb, das Konfliktfeld rund um PaLS und den Lebensgarten, der Aufbau des Infogartens sowie die Organisation von Aufstellungs-, Forums- bzw. Gemeinschaftswochenende haben uns dabei besonders intensiv beschäftigt.
Wir haben die Zusammenarbeit in unserem Team wie auch die Arbeit mit Euch als Gemeinschaft insgesamt als erfüllend und sinnstiftend wie auch von Euch insgesamt grundsätzlich wertgeschätzt erlebt und bedanken uns für Euer Vertrauen und Eure Unterstützung.
Euer (Ex-)Sozialkreis
Arbeitsthemen
- Analyse der Situation im Seminarbetrieb in bezug auf das Verhältnis von Gemeinschaft und Seminarbetrieb zueinander, Mitarbeiterbefragung (Frühjahr 2016) und Auswertungsbericht
- Herausarbeitung verschiedener Gruppendynamiken in der Gemeinschaft in den Diskussionen um den Seminarbetrieb. Bearbeitung dieser Muster mit der Gemeinschaft in Versammlungen, in den Aufstellungen mit Nora Römer und durch unsere Protokolle (Die-bessere Welt-schaffen-wollen und dabei die eigene Begrenzung und eigene Schattenseiten übersehen; Drama-Dreieck und Bestimmung von Schuldigen; co-abhängige Muster/alle mischen sich ein als Folge von Angst um den Bestand des Betriebes oder des Vereins; der Ruf nach der „Großen Mutter“ Verein bzw. MV als Vermeidung von Selbständigkeit und Selbstverantwortung bzw. Konflikt und direkter Begegnung)
- 2015/2016: Beteiligung am Krisenmanagement für den Seminarbetrieb (Treffen mit Beirat, Geschäftsführung und Kreisen; Konfliktbearbeitung im Küchenteam); Gespräche zur Eindämmung negativer Außenwirkungen kritischer Äußerungen über das Essen der Seminarküche im Auftrag des Vorstands; Mitarbeit an der konzeptuellen Entwicklung und Neuorganisation des Bildungsbetriebs
- Unterstützung und Evaluation des Teambildungsprozesses im Seminarbetrieb, Begleitung der Umsetzungsmaßnahmen (Evaluation und Follow-Up)
- Erarbeitung unserer Dynamik als Gruppe (Gemeinschaft) im Umgang mit Macht und Verbindlichkeit
- Gesprächsforen, Moderationsangebote, Konfliktanalysen rund um das PaLS-Projekt und den Lebensgarten, Organisation von Gemeinschaftswochenenden zum Thema
- Inhaltliche Vorbereitung, Planung und Durchführung von drei Gemeinschaftswochenenden inklusive Sicherstellung der Finanzierung; Planung einer im November 2018 stattfindenden Follow-Up-Veranstaltung zum Gemeinschaftswochenende im Februar, Planung eines weiteren Gemeinschaftswochenendes für Dezember 2018
- Veränderung der elektronischen Kommunikation durch die Einführung einer Art Intranet in Zusammenarbeit mit dem iTeam; Aufbau des „Infogartens“ mit gegliederten Räumen für Ankündigungen, Gemeinschafts- und privaten Anliegen, persönlichen Profilen, Adress- und Telefondaten, einer Tausch- und Mitfahrbörse und einer Kommentarfunktion; drastische Reduzierung der Nutzung des Alle-Verteilers
- Klärung und Neuordnung der Zugangsberechtigung zum Infogarten
- Überlegungen zu Vorstandsarbeit und Finanzmanagement
- Gespräche mit AVeV, Peace-Lab-Leitung, WiL-Gruppe und mit Einzelnen zur Klärung der Zugehörigkeit neuer bzw. junger Menschen im Lebensgarten. Austausch mit ihnen über die Bildung von „Parallelgemeinschaften“ im Lebensgarten und über die Sensibilisierung hierfür.
- Unterstützungsangebot an alle Menschen im Lebensgarten in Konfliktsituationen jeder Natur, darunter Konflikte in der Elternschaft des Waldkindergartens; Auswirkungen von Personalentscheidungen der Freien Schule; Konflikt um eine geplante Seminarveranstaltung von Niklas Barro im Lebensgarten; Unterstützung des Personalteams in einer Personalangelegenheit; Konflikte um die Betreuung und den ungesicherten Verbleib von Elisabeth im Lebensgarten; Konflikte um das Fällen einer Kastanie im Eingangsbereich des Lebensgartens und den Vereinsaustritt von Christian Benzin (inklusive restorative circle); Konflikte um die Vergabe von Räumen im Gemeinschaftsgebäude; Zerstörungen am Filz-Kunst-Pfad; Auswirkungen eines Konflikts mit verbalen Übergriffen auf eine WG; Parken auf dem Nordplatz; unterschiedliche Positionen zur Verwendung von Lebensmitteln in der Seminarküche
- Erarbeitung eines Vorschlags für die Einführung und Gestaltung eines Abschiedsfeedbacks für ausscheidende Vereinsmitglieder
- weitere Themen, mit denen wir uns befasst haben: Integration von Eltern bzw. Kindern in die Gemeinschaft/MVs; Unterstützung/Werbung für das „Experiment Kommunikation“ (Kaufungen), ein Angebot einer Gemeinschaftsveranstaltung von Günther Voelk sowie einer Tango-Gruppe; Weggang von Annette und Wolfgang; Sobonfus Empfehlungen für den Lebensgarten, Zusammenarbeit mit anderen Teams im sozialen Bereich, Organisation einer Sonder-MV dazu.
Danke. Ich möchte die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass uns der eine oder die andere für diese wicbtige Aufgabe erhalten bleibt …
wow, was habt ihr alles initiiert und begleitet. Ich danke euch sehr sehr herzlich. Auch den Bericht habe ich mit Dankbarkeit und Freude gelesen. Und habe mich erinnert an viele Wochenenden an denen wir zusammen gearbeitet haben. Habt auch Dank für die Planung der Veranstaltungen im November und Dezember. Ihr habt meine allergrößte Wertschätzung und Achtung. <3 Katharina Sai
Danke, ihr lieben Sozis für eure tolle Arbeit! In meinen Augen habt ihr viel erreicht. Ich bin gespannt, was für ein Team wir für die Zukunft des Sozial-Teams finden werden.
Ich habe von Reiner erfahren, dass er sich vorstellen kann, dem kommenden Sozial-Team für wenigstens ein Jahr zur Verfügung zu stehen. Er ist aber im Urlaub und auch nicht telefonisch erreichbar. Wir müssen uns also am Anfang der Wahl einigen, ob wir trotzdem so ein Angebot annehmen wollen, oder nicht. Daher diese Information vorab, damit ihr euch eine Meinung bilden könnt.
Wenn ich ihn richtig verstanden habe, kann sich Rainer eine temporäre Begleitung des neuen Teams vorstellen. Um für Fragen zur Verfügung zu stehen. Ohne selbst Mitglied zu sein. Daher sege ich keine Relevanz für die Wahl des neuen Teams.
Für die Neuwahl des Sozialteams ist auch ein Blick auf das gut formulierte Mandat hilfreich:
https://intern.lebensgarten.df-kunde.de/personen-gruppen/gruppe/sozialkreis/
Daraus dürfen wir bei der Wahl einen Anforderungskatalog für die Berufung neuer Mitglieder entwickeln. Gern auch schon im Vorfeld hier in den Kommentaren…