Dorothea Hartmann beschreibt Fähigkeiten eines echten Dialogs, die mir sehr nützlich scheinen für unsere Teams, Gremien und Kreise und noch wichtiger für ein leitendes Team oder koordinierendes Team aller Bereiche (nicht nur der Erwerbsbereiche). Seht ihr das auch als wünschenswert an?
Zitat aus einem Artikel, link siehe unten:
3. Was macht einen echten Dialog aus?
Ich fasse einmal die zehn Kernfähigkeiten eines echten Dialogs zusammen: In einem echten Dialog sind sie Lernende, sie erweisen radikalen Respekt, sind offen für Neues, sprechen von Herzen, hören empathisch zu, verlangsamen den Dialog, stellen Annahmen und Bewertungen zur Seite, machen ihre Prozesse des Denkens transparent, gehen in einer erkundenden Forscherhaltung vor und schließlich etablieren sie einen inneren Beobachter, der den gemeinsamen Gedankenraum beobachtet.
In einem echten Dialog ist es nicht mehr wichtig, bestimmte Meinungen zu vertreten und Standpunkte auszutauschen, sondern vielmehr Perspektiven gemeinsam zu erkunden und Einschätzungen „in der Schwebe“ zu halten, die Gemeinschaft zu spüren und ein gemeinsames Denken anzufangen.
http://blog.heiligenfeld.de/echten-dialog-zu-kultivieren-ist-ein-langer-prozess-des-eigenen-erforschens-ein-interview-mit-dr-dorothea-hartmann/#more-2281
Ja und nein, finde ich.
Ja, weil diese Qualitäten ohne Frage wichtig sind.
Nein, weil die Kommunikation durch die Formulierung idealer Kommunikationstugenden auch abgewürgt werden kann.
Doro Hartmanns Ausführungen stammen ja aus dem Kontext von Führungskräfteschulungen (!) . Bei Führungskräften gehe ich davon aus, dass diese in der Lage sind, direkt, kritisch, notfalls auch direktiv zu kommunizieren. Da sind solche Qualitäten, wie sie in dem Artikel beschrieben werden, sehr gefragt.
Bei uns sehe ich das Hauptproblem oft ganz woanders, nämlich dass zu wenig miteinander und nicht übereinander kommuniziert wird. Da können Forderungen an die „ideale Kommunikation“ auch genau das Gegenteil bewirken. Dann traue ich mich vielleicht gar nicht mehr, Kritisches auszudrücken aus Angst, als zu „wölfisch“, zu wenig gewaltfrei und mit zu wenig kommunikativen Tugenden ausgestattet wahrgenommen zu werden. Letztlich beträte ich den dialogischen Raum dann wohlmöglich wie der Gläubige die Kirche: mit angehaltenem Atem, gesenktem Kopf und dem diffusen Gefühl, gesündigt zu haben. Und ich gäbe den Juroren des „richtigen“ Dialogs alle Macht, darüber zu entscheiden, ob ich „würdig“ im Sinne der Ideale kommuniziert habe. Da wäre mir eine direkte, emotionale, von genügend „Schwertkraft“ geleitete Auseinandersetzung erst einmal lieber.