Von Idealen, Bedürfnissen und lauten und leisen Schnee- u. Laubkehrern

Im Zuge der Diskussion um eine neue Schnee/Laub Kehrmaschine schlug Alex eine Vorführung einer Anbaubürste vor, die an den Kermit gebaut werden werden könnte. Eine laut Alex „recht günstige Lösung, da wir das passende Fahrzeug  ja bereits schon haben. [… und laut] Landmaschinen-Kortsch und Joachim eine überlegenswerte Lösung, die technisch leicht umsetzbar ist.“

OK, hier also meine Überlegungen dazu: Ich finde es toll, dass hier Ideen und Vorschläge zusammenkommen. Ich schaue auch selber schon länger nach Geräten mit E-Antrieb (ATVs, UTVs. etc.) die brauchbar sind. Da tut sich auch was …
Zu diesem, hier vorgeschlagenem, Gerät: Eine Vorführung würde ich schön finden, einfach aus Interesse am Thema. Ich habe aber auch gleich ein „Aber“ Vorweg:  Die hier erwähnte Radialbürste ist für den Anbau an ein Fahrzeug mit von 1100 Watt konzipiert. Ein üblicher Benzin-Aufsitzmäher hat ungefähr die zehnfache (!) Leistung und deswegen auch genug Power um eine Rotationsbürste anzutreiben und Laub nicht nur, wie bei diesem wunderschönen Gerät, mit einer Radialbürste in schmalen Streifen zur Seite zu fegen, sondern aufzusaugen und wirklich von der Straße weg zu bewegen. Und Schnee wird eine Radialbürste wohl eher einpolieren als entfernen, sobald er nicht mehr pulverig ist. … — aber eine Vorführung wäre da bestimmt hilfreich.
Die mir bekannten elektrisch angetriebenen Geräte, die genug Power haben um unser aller heute offenbar als „normal“ geltenden Bedürfnisse nach Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit unter den gegebenen Umständen realistisch zu erfüllen, wären Geräte der Leistungsklasse eines Polaris Ranger EV mit ca 20kW. Der kostet OHNE Anbauteile wie Bürste usw. aber alleine schon ca. € 17.000,-. (Geräte, die Laub auch saugen können, wie es ein gewöhnlicher Benzinrasentraktor nebenbei macht, sind mir elektrisch betrieben nicht bekannt.)
Der Anbau einer flach rotierenden Radialbürste vor den Kermit, wie hier vorgeschlagen, ist natürlich ein schönes Bastelprojekt. Wenn wir also so ein kleines Gerät, in der Größenordnung eines Zwanzigstels der Leistung eines heute als „normal“ geltenden Gerätes, haben wollen, dann stellt sich mir aber die Frage, ob wir unsere heute als „normal“ geltenden Bedürfnisse nach Sauberkeit, Ordnung, Sicherheit, Ästhetik usw. auch auf ein Zwanzigstel oder wenigstens auf ein Zehntel reduzieren wollen würden … ? Ich wäre dafür. Oder uns persönlich und handgreiflich eben mehr engagieren wollen würden?
Alles ist möglich. Theoretisch. Was mir persönlich aber nicht ganz leicht fällt ist: Immer weiter und höher ansteigende Bedürfnisse mit immer weniger Manpower zu erfüllen und/oder mit immer idealistischeren Gerätschaften – deren Leistungsfähigkeitszuwachs eben, jedenfalls soweit ich das einschätzen kann, leider nicht mit den stetig wachsenden Bedürfnissen korreliert ansteigt.
Denn wer von uns würde zuverlässig z.B. bei Schnee, morgens, sobald der Schnee fällt und noch frisch und noch zu fegen ist, mit einem solchen 1100Watt-Gerät fahren, schmalen Streifen um schmalen Streifen fegen, solange es schneit, im Zweifelsfall den ganzen Tag?
Oder im Falle von viel fallendem Laub vorneweg fahren, das Laub in Reihen fegen, und wer würde dann hinterhergehen und das Laub zu Haufen zusammenschieben und wer – Freiwillige vor – würde dann mit einer großen Karre das Laub aufladen und zur Entsorgung in den Wald fahren. Das ganze müsste aber, im Falle von Schnee, passieren solange der Schnee noch fällt und dürfte nicht aufhören, solange es schneit, damit das so funktioniert. D.h. im Zweifelsfall vielleicht drei Leute den ganzen Tag. Ich wäre dabei, natürlich auch nicht jeden Tag, aber für, sagen wir zwei Tage Bereitschaftsdienst pro Woche. Wer noch?

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich würde auch lieber, als morgens im Winter bei Schnee oder im Herbst bei viel Laub, statt mit einem laut knatternden Kohlenwasserstoffverbrenner allein durch die Gegend zu schieben oder zu fahren (beim Schieben wird man wenigstens selber noch warm …) mit einem elektrisch-idealistischen Gerät unterwegs sein und mir wegen dessen geringerer Leistung die Arbeit mit drei oder fünf – je nach Bedarf, und BEI BEDARF (nicht bloß bei Lust) dabei seienden – Leuten teilen …  Oder, was natürlich auch noch eine Alternative wäre: Wir passen unsere allgemeinen Bedürfnisse (nach: s.o.) den mit technisch-idealistischen Mitteln machbaren Ergebnissen an. Mit beidem kann ich gut leben. Mit stetig steigenden Anforderungen durch immer weiter wachsende Bedürfnisse und gleichzeitig stetig sinkender Manpower und/oder mit der gleichzeitigen Forderung nach idealistischen aber leider wenig leistungsfähigen Gerätschaften zugleich aber nicht.

Gruß, Jürgen

1 Kommentar zu „Von Idealen, Bedürfnissen und lauten und leisen Schnee- u. Laubkehrern“

  1. Danke, Jürgen für den Beitrag!
    Sehe ich genauso.

    Jedes Gerät, welches nun angeschafft wird, ist deutlich leistungsfähiger als das, womit bisher gearbeitet wurde.

    Ohne Probieren werden wir nicht schlauer.
    Und wenn der Hersteller es schon kostenlos anbietet…..

    Wegen der Leistungsfähigkeit ein technischer Hinweis für alle, die nicht so im Thema sind:

    Der Jet (Kermit) kommt erst jetzt in Frage, nachdem er mit sehr viel leistungsfähigeren Akkus ausgestattet ist.
    Ich würde mal tippen (@ Joachim: bitte korrigieren, wenn ich falsch liege), dass die Energie für mindestens 4 Std. Dauerbetrieb ausreicht.

    Das Laub könnte man natürlich auch aufsaugen und in einem Anhänger, der vom Jet gezogen sammeln.
    Eine Anhängerkupplung hat der Jet bereits.

    Damit hätte man einen Auffangbehälter, der größer ist als alles, was sich auf dem Markt befindet.
    Die Standard-Auffangbehälter sind bei großen Laubmengen ruckzuck voll, müssen entsprechend oft geleert werden = mehr Arbeit/Zeitaufwand…

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