Green Tec Park??

es folgt ein sehr informativer Text von Heribert (ein Freund vo Regina) zum Green Tec Park.
Der Brief gibt zunächst Infos zu den dort angestrebeten Firmen und deren „Nachhaltigekeit“, danach konkrete Fragen und Handlungsansätze aus seiner Sicht.
(Leider schaffe ich es nicht die Datei als Anlage einzufügen)
.

Im Gespräch mit Regina hat sich die Frage ergeben, ob ich in dem Prozess um den „Green Tec
Park“ eine Hilfe sein kann. Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn in einigen Prozessen auf der
Seite des Umweltschutzes und der Sozialverträglichkeit erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit und
inhaltliche Auseinandersetzung betrieben. Insofern könnte ich vielleicht etwas beitragen. Die
juristischen Aspekte bzgl. des Genehmigungsverfahrens scheinen mir schon sehr gut dargestellt zu
sein, dazu will ich mich hier nicht äußern.

Das Firmenkonsortium:
Ich habe noch nicht alle Firmen genauer ansehen können. Nur eine Auswahl:
WTK Logistiks ist eine große Spedition, die unter anderem den Schwerpunkt Flüssig- (auch
Gefahrgut-)Transporte hat. Ein derartige Logistikunternehmen ist mit einem beträchtlichen LKW
Aufkommen (eben auch Flüssigkeitstransport) verbunden, für die entsprechende Straßen genutzt
werden müssen. Die Umweltfreundlichkeit soll auf der Website mit zwei (!!) Bienenvölkern belegt
werden. Das ist lächerlich und man bekommt sehr den Eindruck, dass der Leser nicht ernst
genommen wird.


German E-Fuels One:

Die Entwicklung und die Produktion von E-Fuels ist Augenwischerei. Sie ist
letztlich auf der Linie des FDP-Dogmas eine „Technologieoffenheit“ zu sehen. Es wird mit großem
Aufwand und mit sehr geringem Wirkungsgrad ein künstlicher Kraftstoff erzeugt, mit dem
Benzinmotoren betrieben werden können. Der einzige Unterschied ist der, dass im Gegensatz zu
fossilem Benzin Strom eingesetzt wird, der nachhaltig, also etwa über Windkraftanlagen, hergestellt
wird, um diesen Kraftstoff herzustellen. Damit kann man ihn als „nicht fossil“ bezeichnen. Der
Wirkungsgrad ist sehr schlecht, das heißt, es wird viel mehr Energie in diesen Kraftstoff
hineingesteckt, als er letztlich enthält. Der ADAC bringt dies auf den Punkt: DieEnergie einer 3
MW-Windkraftanlage kann genutzt werden, um 1600 PKW mit Strom zu verorgen. Wenn man mit
der gleichen Energie zunächst E-Fuels herstellt, dann kann man damit 250 Fahrzeuge betreiben.
Das soll ökologisch sinnvoll sein? s.u.


Momentum Aerospace:
Es gibt eine in Deutschland zugelassene GmbH mit diesem Namen.
Arbeitsfeld ist „Die Entwicklung, Herstellung, der Betrieb und der Verkauf von Systemen und
Komponenten für die Luft- und Raumfahrt sowie für industrielle Anwendungen“. Die Firma wurde
2025 eingetragen, eine eigene Website habe ich nicht finden können, was für eine große Firma
merkwürdig ist. Es existiert in den USA eine Firma Momentum Manufacturing Group /Aerospace
& Defense, eine Rüstungsfirma, die alles Mögliche für den Bereich militärische Luftfahrt, Waffen
und dazugehörige Ausstattung anbietet. Für mich sieht das aus, als ob eine deutsche Firma im
Aufbau ist, die ebenfalls dem Rüstungssektor zuzuordnen ist. Es wäre zu prüfen, ob es sich dabei
um einen Ableger der amerikanischen Firma handelt. Das kann ich in der Kürze der Zeit jedoch
nicht beantworten.


EGA Leichtmetall Aluminium-Recycling
Auch ein Recycling-Unternehmen ist nicht automatisch ein ökologisch arbeitender Betrieb.
Arabische Investoren sind auch kein Beweis für ökologiefreundliche Technologie. Das wäre hier,
wie auch bei den weiteren Firmen genauer in den Blick zu nehmen. Der Aspekt der
Grundwasserentnahme wurde wohl schon angesprochen. Ich halte ihn für einen ökologisch sehr
wesentlichen Punkt.
D.h. auch für die anderen Firmen wäre ein Blick auf die geplante Technologie notwendig, um
beurteilen zu können, ob sie ein ökologisch sinnvolles Konzept verfolgen (Ressourcenverbrauch,
Emissionen, Abfälle etc.). Dazu wäre eine kurze Recherche erforderlich, es lässt sich aus dem
Arbeitsfeld allein nicht in der Kürze bewerten.
Zusammenfassend: Zumindest bei den hier betrachteten drei erstgenannten Firmen ist die Ökologie
eher als ein Scheinargument anzusehen, welches lediglich die Akzeptanz erhöhen soll. Man könnte
auch von Greenwashing oder Augenwischerei sprechen. Insofern sind die Begriffe „green“ und
„Park“ zumindest für große Bereiche ebenfalls Augenwischerei und nicht gerade
vertrauenserweckend.


Verantwortlichkeiten und Zusicherung von ökologischen Standards

„Die Firma Oxynova wird mit ihren schon vorhandenen Gebäuden und Geräten
Betreiber des Parks sein, hält eine zentrale Verwaltung, Dienstleistungen und eine
Feuerwehr dafür vor.“
Wenn die zentrale Verwaltung bei Oxynova liegt, wird es im Zweifelsfall nicht einfach sein, die
Interessen der Gemeinde durchzusetzen. Zumindest wären Entscheidungsbefugnisse im Vorfeld klar
darzulegen. „Sicherheiten“ sind nicht, wie der Bürgermeister es wohl ausgeführt hat, zum jetzigen
Zeitpunkt noch nicht diskutierbar. Vielmehr sollte bereits jetzt deutlich werden, wer wann mit
welchen Konsequenzen welche Entscheidungen treffen kann. Welches Einspruchsrecht hat die
Gemeinde jetzt und zu einem späteren Zeitpunkt? Was geschieht bei Nichteinhaltung von Zusagen?

Zum Vorgehen generell
Ob das hier mit GreenTec bezeichnete Projekt im Sinne der Gemeinde ist, steht in Frage. Es ist zu
befürchten, dass eine Gemeinde sich aus einem nachvollziehbaren wirtschaftlichen Druck heraus
auf problematische und nicht nachprüfbare Aussagen von Firmen und Investoren einlässt.
Sie begibt sich damit in die Lage, lediglich defensiv auf ein vorgeschlagenes sehr großes Projekt
reagieren zu können.
Mein Vorschlag wäre, die Gemeinde zu bewegen, selbst aktiv zu prüfen, was und in welchem
Umfang für die Entwicklung dieser Gemeinde aus Sicht der Verwaltung und aus Sicht der
betroffenen Menschen sozialverträglich, wirtschaftlich angemessen und ökologisch sinnvoll wäre.
Die Frage nach der Größenordnung ist erfahrungsgemäß wichtig. Eine Industrieansiedlung, die
bezogen auf die Einwohnerzahl und die zur Verfügung stehenden Ressourcen völlig
überdimensioniert ist, kann auf die Dauer den sozialen Frieden stören. Es ist für Bewohner auch
nicht einsehbar, dass sie damit in einem Maße durch Emissionen, Lärm, Verkehr etc. belastet
werden, der in keinem Verhältnis zu dem steht, was eine Gemeinde in dieser Größenordnung
verkraften kann (und auch aus Gerechtigkeitsgründen verkraften sollte). Erfahrungsgemäß sind
häufig solche Projekte allein deshalb schwierig in der Akzeptanz der Bevölkerung, weil sie schlicht
zu groß dimensioniert sind.
Meine Empfehlung wäre, ein mit Stadt- und Regionalplanung befasstes Beratungsunternehmen zu
beauftragen und ein Konzept, möglicherweise auch einen Rahmenplan zu erstellen, wie eine
sozialverträgliche, wirtschaftlich angemessene, ökologisch verträgliche Gemeindeentwicklung
aussehen könnte. Also zu klären wäre, was braucht, was wünscht die Gemeinde? Diese
Vorgehensweise würde die Gemeinde in eine aktive Rolle mit einer beträchtlich größeren
Gestaltungsmöglichkeit versetzen.
Außerdem würde ein solches, von einem unabhängigen Unternehmen erstelltes Konzept ein
wesentliches Instrument bei der öffentlichen Auseinandersetzung sein. Es würde das Vertrauen der
Menschen in ein solches Projekt stärken. Insofern denke ich auch, dass solch ein unabhängig
erstelltes Konzept von der Gemeinde eingefordert werden könnte.

Soweit meine Gedanken, ergänzend zu dem, was ihr bereits formuliert habt. Ich habe sie nur kurz
und ohne größere Recherche niedergeschrieben, sie sollen lediglich als Fragen, die sich mir gestellt
haben bzw. als Diskussionsgrundlage betrachtet werden.
25.März 2026
Dr. Heribert Wefer

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