Aufarbeitung der Coronazeit im Lebensgarten

Als ein Ergebnis des letzten Gemeinschaftswochenendes hat sich eine Arbeitsgruppe aus Sylke, Josefine und Joos gebildet, die zur Aufarbeitung der Polarisierung in der Gemeinschaft während der Coronazeit beitragen möchte. Zur Vorbereitung möchten wir Interviews mit einzelnen Personen aus der Gemeinschaft zu deren Erleben dieser Zeit führen. Darauf aufbauend wollen wir im Herbst dieses Jahres eine Veranstaltung zur gemeinsamen Bearbeitung dieser von einer starken Polarisierung und ggf. auch traumatischen Erfahrungen geprägten Zeit planen und durchführen.

In unserer Erinnerung bestand die Polarisierung vordergründig zwischen Befürwortern und Gegnern behördlich angeordneter Maßnahmen. Unser Vorstand sah sich gezwungen, diese Maßnahmen durchzusetzen, stieß dabei aber auf erheblichen Widerstand. In unseren Debatten z.B. im Infogarten zeigten sich weitere Polaritäten wie Wissenschaftsgläubigkeit vs. -skepsis und erhebliche Differenzen zur Verlässlichkeit von Informationen („Mainstreammedien“ vs. „Blasenwissen“). Es gab sehr unterschiedliche Haltungen in den Wertekonflikten Freiheit vs. Sicherheit sowie Selbstverpflichtung vs. Verpflichtung gegenüber anderen. Entsprechend unterschiedlich war das Demokratieerleben: Was für die einen ein demokratischer Willensbildungsprozess in Notzeiten war, war für andere die diktatorische Anordnung von Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung. Und schließlich zeigten sich auf einer tieferen Ebene verschiedene Formen des Umgangs mit Angst und ihrer Bewältigung.  Aus diesen gingen wiederum z.T. problematische Bewertungen des unterschiedlichen Umgangs mit Gefühlen („Angsthysterie“ vs. „Leugner“) hervor. Wie bei mehreren Dorfplena thematisiert wurde, ist bei vielen von uns eine Verunsicherung geblieben, ob es heute in unserer Gemeinschaft einen demokratischen Grundkonsens gibt bzw. wie dieser ggf. formuliert werden könnte.

Erste Annäherungen an das Thema haben gezeigt, dass  viele von uns sich irgendwo in diesen verschiedenen Polaritäten und keinesfalls nur an den Polen verortet haben. Ziel der weiteren Aufarbeitung soll es sein, ein heilsames Narrativ zu finden für das, was die Coronazeit mit uns gemacht hat, inwieweit dies noch nachwirkt und wie wir wieder zusammenfinden können.

Als ersten Arbeitsschritt führen wir Interviews mit ca. 15 Personen. Anhand der Antworten werden wir unser weiteres Vorgehen planen.

Hier unsere offenen Fragen als Leitfaden für die Interviews:

  • Wenn du an die Coronazeit zurückdenkst, welche Gedanken und welche Gefühle kommen in dir hoch?
  • Wo im Spektrum der verschiedenen Positionen standst du damals, wo stehst du heute?
  • Gibt es bleibende Verunsicherungen oder Verletzungen aus dieser Zeit und ggf. welche?
  • Was von dem, was du damals gedacht, gesagt oder getan hast, siehst du heute in einem kritischen Licht?
  • Hast du eine Idee, was zur Heilung beitragen könnte?

Gesprächsdauer ca. 30′, ggf. etwas mehr. Die Interviews möchten wir bis Anfang August durchführen. Falls du nicht von uns angesprochen worden bist, trotzdem aber Lust hast, uns zu diesen Fragen zu antworten, kannst du uns schreiben und wir werden deine Antworten in der Vorbereitung berücksichtigen

2 Kommentare zu „Aufarbeitung der Coronazeit im Lebensgarten“

  1. Super, vielen Dank für eure Arbeit. Ich vermisse solch eine Aufarbeitung auf der nationalen Ebene. Gut dass es hier wenigstens stattfindet. Alles Gute! lars

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