Das tut weh und macht mich wütend. Die Anzahl der „Stimme-nicht-zu“ gegen die „Stimme-zu“ -Stimmen.)
Die Kommentare, die fast ausschließlich auf das materielle zielen. Ich fühle mich nicht gesehen und nicht gewertschätzt, was ich für die Gemeinschaft tue. Ich schaffe immer wieder Begegnungsstätten, die von immer mehr Menschen genutzt werden. Um dort, u.a. auf spiritueller Ebene zu wirken. Ich dachte, dass ich an einem Ort lebe, wo Menschen um die Wirkung von Energien wissen.
Ja, ich zahle jetzt 40 Euro weniger im Monat. Das ist momentan viel Geld für mich. Ja, weil ich Hartz IV beziehe und einen LkW umbaue, der Versicherung und Steuer kostet. Aber Steff, kennst Du meine Geschichte? Es macht mich so wütend, dass ich von dir gefühlt als Sozialschmarotzerin dargestellt werde, ohne dass du was über mich weißt und wie es dazu kam und wie meine Einstellung dazu ist.
Ich tue meinen Teil für die Gemeinschaft und werde es auch weiter tun. Auch ohne Verein. Und ich werde auch Räume finden, in denen ich es machen kann. Weil mir die Menschen hier und im allgemeinen wichtig sind. Schade, dass ein Ort wie der Lebensgarten e.V, nicht froh darüber ist, dass Menschen da sind, die ihre Zeit und Energie dafür aufwenden. Und er ihnen einfach so Räume zur Verfügung stellt. Weil es wertvoll für die Gemeinschaft ist.
Ach, ich bin echt wütend…. und traurig. Über so viele „anonyme“ Gegenstimmen. Warum? Weil ich den Verein kritisiere?
Klärt mich auf…
Warum?
Die Kommentare zu Alias Beitrag haben mich aufgewühlt und mich dazu angeregt, zu reflektieren, was mir das Ankommen im Lebensgarten erleichtert hat. Das waren natürlich erstmal Nachbarn und meine Hausgemenschaft, Dann die Dorfverschönerung, an der ich vor unserem Umzug in den Lebensgarten mehrmals teilgenommen habe und das war zum Dritten:
Alia, die mit Gesang und Stille, mit im Kreis beieinander sein ein Feld aufgebaut hat, in dem Gemeinschaftsbildung statt finden konnte. Musik ist Nahrung für die Seele und ich bin Alia dankbar für die vielen Momente, die ich in großer Verbundenheit mit ihr und den anderen Sänger*innen erfahren durfte und bis heute darf. Auch das gehört für mich zur Gemeinschaft. nicht nur das liebe Geld!
Ich lasse deine Worte erstmal auf mich wirken und überlege dann, ob ich antworte.
Grüße, Steff
Mein allererster Kommentar im Infogarten. Ich habe keine Ahnung, um welche Themen es untereinander geht und deshalb schlage ich mich hier auch auf keine Seite oder so etwas. Mir ist aber eines wichtig zu unterstreichen und wertzuschätzen und damit Inas Kommentar durch eine zweite Stimme zu stützen:
Alia ist für mich ein Geschenk. In diesen rasanten Zeiten des Wandels schafft sie es Räume des tiefen miteinander Fühlens und der Herz-Begegnung durch ihren Gesang und ihre Stimme aber auch durch ihr gesamtes Wesen zu kreieren. Für mich sind diese Momente die Samen, die Nahrung, die es für eine bewusstere Gesellschaft und den Wandel der Gemeinschaft braucht. Ich bin ihr von ganzem Herzen dankbar, dass sie geblieben ist, um uns dieses Geschenk immer wieder zu machen! Ich spüre eine tiefe Verbundenheit und freue mich auf alles, was weiterhin von diesem wunderschönen Menschen kommen mag.
Liebe Alia,
mir hat die Blutdruck erhöhende Wirkung, die Du auf so Manche(s) in Deiner Umgebung ausübst, von Anfang an gefallen. Weil sie oft sichtbar macht was ist und Dinge wie Menschen in Bewegung versetzt.
Ich finde, Du hast uns allen ein riesiges Geschenk gemacht: Du hast der Gemeinschaft den Spiegel vorgehalten. Darin kann ich mein eigenes Bedürfnis nach Wertschätzung und Verbundenheit, letztlich nach bedingungsloser Liebe wiederfinden. Gleichzeitig kommt mir schmerzhaft zu Bewußtsein, wie grausam wenig es uns zusammen gelingt, innerhalb der festgefahrenen Strukturen und eingefrorenen Kommunikationswege dieses – unser aller – Bedürfnis gegenseitig zu erfüllen.
Du hast es gewagt, öffentlich den Finger auf diese gemeinsame Wunde zu legen. Damit hast Du mich an meine tiefste Sehnsucht erinnert, und dafür danke ich Dir total !
Mir geht es auch manchmal so, dass ich meinen Schmerz über unerfüllte Bedürfnisse nicht fühlen mag und mich deswegen ironisch oder aggressiv nach außen wende auf der Suche nach irgend Jemandem, die oder der doch bloss meinen Kummer übernehmen möge. Ich freue mich, dass Du trotz dieses enormen Gegenwindes genau dazu nicht bereit bist – und das tut mir enorm gut.
Bitte, bleib Du in Deiner – und unserer – Mitte !
– with a little help from your friends –
Horst
LiebeUte, liebe Ina, lieber Horst, liebe Sandra,
ich danke euch von Herzen für euren Spiegel, der meiner Seele so gut tut. Dass gesehen und vor allem gefühlt wird, wie ich meinen Beitrag zu dieser Gemeinschaft leiste.
Und das tun so viele hier, jede(r) auf seine Weise. Und alle sind wertvoll und verdienen, es gesehen und dafür gewertschätzt zu werden. Auch mal öffentlich im Infogarten. Auch die, die sich mehr mit der Materie beschäftigen. Aber meinen Dank dafür habe ich ja schon ausgedrückt.
Mögen wir uns alle zeigen, mit dem was da ist. Und mögen wir es mit offenem, liebevollen Herzen annehmen.
Alya
Und noch etwas: Ich möchte so gerne mehr von den „Sehe ich anders“-Stimmen hören. Wie seht ihr es? Bitte teilt es mir mit, damit ich es verstehen kann.
Liebe Alia und Mitlesende,
ganz unabhängig von diesem persönlichen Fall gerade möchte ich meine Gedanken dazu los werden, da dieses Thema immer wieder hier aufploppt.
Das ist also ausdrücklich keine Kritik an dir Alia, sondern als Sichtwiese/ Erklärungsversuch meine Vermutung auf deine Frage zu verstehen.
Generell sehe ich es so: wir haben hier einen wirklich wunderschönen Ort, der sich im Laufe der Jahrzehnte Dank der Initiative vieler toller Menschen so entwickelt und etabliert hat. Der Ort lebt von den vielfältigen Persönlichkeiten und Geschenken, die jede/r individuell (und temporär mal mehr, mal weniger) einbringt. Seien es Angebote wie Singen, Tanzen, aber auch die meist sehr zeit- und kraftintensive Arbeit in den unterschiedlichen Gremien oder „Arbeit“ auf spirituell-energetischer Ebene und noch vieles vieles mehr. Vieles von dem, was Menschen hier tatsächlich einbringen, wissen wir glaube ich garnicht und dennoch geschieht es. Und da gibt es für mich nicht wirklich eine Wertigkeit dessen, was die Menschen „rein“ geben (es sei denn es geht um die Tätigkeiten, bei denen wir Mitglieder uns darauf geeinigt haben, dass sie einfach getan werden müssen und somit als Gemeinschaftsstunden einen Zahlenwert bekommen haben, an dem sie bemessen werden, weil sie eben einfach notwendig sind bzw wir uns darauf geeinigt haben, dass sie hier jetzt notwendig sind).
Diese wunderbare Vielfältigkeit ist das eine und trägt wesentlich dazu bei, dass der Lebensgarten ein so lebenswerter Ort ist ❤️
Und ich glaube, dass das manchmal leicht aus den Augen verloren wird bei all den Diskussionen und auch Konflikten, die es immer wieder gibt. Unterm Strich sind das in meinen Augen verhältnismäßig „Luxusprobleme“, da wir hier doch sehr privilegiert leben können, wie ich finde.
Das andere ist die finanziell-materielle Ebene. Und diese ist bisher nunmal mindestens ebenso wichtig und nötig, um zB unsere Infrastruktur hier aufrecht zu halten zu können. Das bedeutet, dass die Erhebung eines Vereinsbeitrages notwendig ist und wir haben uns dazu als Verein ein System überlegt, das denen gerecht wird, die weniger zahlen möchten oder können und dafür Gemeinschaftsstunden leisten und denen, die nicht die zeitlichen Kapazitäten haben, dafür dann eben einen höheren Beitrag zahlen.
Und auch weitere Modelle stehen zur Debatte, z.B. für eine geldfreie Mitgliedschaft und Co.
Aber es gibt und gab immer wieder Menschen, die „unser“ System hier offensichtlich nicht akzeptieren, sich weder finanziell, noch im Rahmen von den nötigen und von uns allen beschlossenen Gemeinschaftsstunden einbringen, aber dennoch die Vorteile hier in Anspruch nehmen.
Ich denke, das triggert diejenigen, die voll zahlen und evtl zusätzlich noch viele Gemeinschaftsstunden ableisten tatsächlich sehr stark. Diese Haltung verletzt möglicherweise auch sehr.
Bei mir war es so (aber das ist eine Einstellungssache und ich möchte auch keineswegs behaupten, dass meine Haltung optimal ist!):
Als ich hier her kam, lebte ich von einem minimalen Elterngeld plus Kindergeld plus einem Kindesunterhalt, der unter der Mindestgrenze lag. Unterm Strich hatte ich noch weniger zur Verfügung als ALGII (allerdings hatte ich noch etwas Erspartes). Mir waren die Bedingungen mit dem zu leistenden Vereinsbeitrag/ Gemeinschaftssunden bewusst. Aber ich wollte ja gerne hier leben und dann ist es für mich selbstverständlich, dass ich dann die gegebenen Bedingungen hier akzeptiere. Also habe ich in der Anfangsphase viel bei meiner Nachbarin Gisela geputzt und die Gästezimmer gemacht, um zB meinen Vereinsbeitrag damit zu finanzieren. Das habe ich, da ich alleinerziehend bin, hauptsächlich in den Zeiten getan, wenn Milena nebenan geschlafen hat (und ich eigentlich selber mal eine Pause nötig gehabt hätte). Das ist sicherlich auch fragwürdig, das gebe ich gerne zu. Und ich erwarte definitiv nicht, dass andere auch danach leben. Doch so bin ich eben und das ist gerade auch ok für mich. Man könnte mir (oder auch anderen) meinetwegen „vorwerfen“, dass ich nicht ausreichend für mich sorge und damit dem Ort schließlich nicht ausreichend heilsame Energie liefere (auch, wenn ich das dennoch anders fühle).
Die „kollektive“ Energie des Ortes ist in meinen Augen unbestritten auch bedeutsam und es stellt sich mir die Frage wie eine Ausgewogenheit von finanziell-materieller Grundlage und der eigenen Fürsorge hier umsetzbar ist. Beides ist in meinen Augen nötig, aber es muss auch kollektiv im fairen Gleichgewicht blieben, um ein gesundes System zu erhalten.
Unterm Strich ist der finanzielle Beitrag sowie der Beitrag in Form von Gemeinschaftsstunden (und zwar für die Tätigkeiten, die wir als Verein als solche, weil notwendig definiert haben) aktuell eine maßgebliche Bedingung hier. Und ich glaube, dass es einige Menschen wirklich sehr frustriert und sie es auch als äußerst unfair und nicht wertschätzend empfinden, wenn Menschen, die hier sein wollen, diese Bedingungen eben nicht akzeptieren. Denn das, was hier ist, wäre vermutlich nicht da, hätte es nicht in der Vergangenheit ausreichend Menschen gegeben, die diese Grundlagen rein gegeben hätten. Und die Akzeptanz dessen hat vermutlich für viele ebenso ganz viel mit Wertschätzung zu tun.
Dass diese Bedingungen immer uneingeschränkt so richtig sind und auf ewig in Stein gemeißelt, möchte ich an dieser Stelle nicht behaupten. Aber aktuell haben wir das als Verein nunmal so für richtig und wichtig befunden und beschlossen.
So viel zu meiner Sichtweise und Vermutung zu den „stimme nicht zu“ Stimmen.
Das Gute ist ja, dass wir durch sowas hier ganz deutlich eine Diskrepanz sehen und sichtbar wird, wo es hakt und wo noch Luft nach oben ist.
Ich bin zuversichtlich.
Von daher vielen Dank für deinen Beitrag liebe Alia!
So, und nun ein schönes Wochenende allerseits 🌳🌤
Danke Marthe! Ich teile deine Sichtweise. Ein Monat hat rund 700 Stunden. Nicht zuletzt Dank Mindestlohn scheint es durchaus möglich, unseren monatlichen Beitrag aufzubringen. Ausnahmen bei Krankheit und hohen Belastungen (z.B. Alleinerziehende) können immer gefunden werden. Aber es geht ja nicht ums Materielle.
Ja, der Lebensgarten braucht Veränderung, Gestaltende und einen wachen Blick auf das Gemeinschaftsleben. Kritische Anstöße und neue Prozesse können gut von innen angeregt und neue Wege umgesetzt werden! Herzlich gern!
Musikalische Angebote setzen auf einer anderen, zusätzlichen Ebene an. Und sind auf ihre Weise wertvoll.
Aber: ohne Erhalt keine Wandel. Und zum Erhalt brauchen wir flexible, anpassungsfähige Strukturen, eben unseren Verein, den wir immer wieder in Frage stellen dürfen.
Irgendwie empfinde ich manche Austritte als Luxusproblem. Kritik üben und aus Selbstliebe gehen? Verantwortung übernehmen sieht in meinen Augen anders aus. Ich wünsche mir Gemeinschaftsmitglieder, die in schwierigen Zeiten zuverlässig zusammenrücken und zur Verbesserung beitragen, statt von der Fahne zu gehen. Aber dieses Thema hatten wir ja bereits an anderer Stelle.