Das Schreiben des Sozialteams in der Eventgruppe

Vorab möchte ich meine persönliche Haltung zu einer Anzeige wegen Fälschung eines Dokuments darlegen. Ich hätte weder gegen Rike noch gegen andere LebensgärtnerInnen aufgrund dieser Straftat eine Anzeige erstattet. Dass Rike durch die Anzeige Belastungen ausgesetzt war, bedauere ich. Ich begrüße die Entscheidung des Vorstands, Rike mit einem Aufhebungsvertrag zu unterstützen und eine Abfindung in Höhe von 1500 Euro zu gewähren, die es ihr ermöglicht hat, die offensichtliche Strafe zu zahlen. Positiv ist auch, dass für Rike keine Arbeitslosigkeit entstanden ist.

Ich halte einen Aufruf, Rike in dieser Sache finanziell zu unterstützen, nicht für notwendig, da sich die Abfindung welche von den LebensgärtnerInnen bezahlt wurde, mit dem Strafbetrag deckt. Rike hat ihre Konsequenzen bereits getragen, für mich ist das Thema damit abgeschlossen. Ich schätze Rikes Fähigkeiten und habe auf der letzten MV für sie gestimmt und stehe nach wie vor zu dieser Entscheidung.

Wenn ich versuche, diese Situation aus Roberts Perspektive zu betrachten, macht mich der Inhalt des Textes, der in einer Gruppe mit über 200 Personen geteilt wurde, sehr betroffen. Es beunruhigt mich zu sehen, wie Robert und das Bild unserer Gemeinschaft in einem Raum geteilt wurden, der weit über den Kreis der unmittelbar Beteiligten hinausgeht. Für mich hat das Sozialteam eine Schlüsselfunktion zur Verbindung, und ich hätte mir gewünscht, dass ein Schreiben des Sozialteams eine pragmatische Herangehensweise zur Förderung einer Aussprache mit Robert erkennen lässt und nur an ihn persönlich geht.
Leider spiegelt der Ton des Schreibens, aus meiner Sicht, eher eine Einstellung bezüglich der Corona-Regeln wider und scheint keine neutrale Position einzunehmen.

Ich glaube, dass jedeR LebensgärtnerIn ihre persönliche Schwelle hat, bei der sie oder er jemanden anzeigen würde, und das auch ohne von der Gemeinschaft das bestätigt zu bekommen.

– Sollte mein Fahrrad gestohlen werden, behalte ich es mir vor, ohne Rücksprache eine Anzeige zu erstatten.

-Wenn jemand mir eine Backpfeife gibt, behalte ich es mir ebenfalls vor, dies zu tun.

JedeR hat das Recht, eine Anzeige zu erstatten, auch wenn sie oder er sich dazu moralisch oder ethisch verpflichtet fühlt – so wie Robert es in diesem Fall getan hat.
Dementsprechend müssen alle LebensgärtnerInnen welche Straftaten begehen, mit dem Risiko leben, angezeigt zu werden.
Ich würde mir wünschen, dass die LebensgärtnerInnen in sich gehen und sich fragen, in welchem Punkt es für sie gerechtfertigt wäre, eine Anzeige zu stellen, und das ohne Rücksprache mit der Gemeinschaft.
Es würde mich freuen, wenn das Sozialteam sich hier reflektiert und die Art und Weise der Kommunikation für sich neu bewertet. Ich glaube, dass jegliche persönlichen Einstellungen bezüglich Corona Regelungen hilfreich ist zu vermeiden um eine neutrale Position einzunehmen. Solltet ihr zu dem Punkt kommen, dass ihr Robert nicht fair behandelt habt, wäre eine öffentliche Entschuldigung von eurer Seite aus, als Stärke zu bewerten.
Ich hoffe, dass wir als Gemeinschaft aus dieser Situation lernen und in Zukunft solche Angelegenheiten mit dem nötigen Fingerspitzengefühl behandeln können, sodass das Vertrauen innerhalb unserer Gemeinschaft bewahrt und gestärkt wird.

Als Lebensgärtner möchte ich mich bei Dir, lieber Robert, für die Art und Weise der Kommunikation in der Eventsgruppe entschuldigen.
Lieben Gruß
Lars

1 Kommentar zu „Das Schreiben des Sozialteams in der Eventgruppe“

  1. Lieber Lars!
    Herzlichen Dank für Deinen ausgewogenen, sachlichen und klaren Beitrag. Ich habe mich sehr darüber gefreut, vor allem auch, weil wir seit Monaten keinen Kontakt mehr hatten.
    Deine Entschuldigung nehme ich sehr gerne mit Dank an, obwohl du persönlich ja gar nichts getan hast.
    Deinen Ausführungen kann ich trotz meiner Entscheidung in der Sache vollinhaltlich zustimmen.
    Lieben Gruß und alles Liebe
    Robert

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