Teilnehmer: Anne (Küche), Chris (Personal), Gerold (Personal + Gebäudeteam), Friedo (Vorstand), Rike (Büroteam), Kai-Uwe (Büroteam), Anja (Büroteam und StraKo), Frauke (Büroteam), Katharina Sai Sander (Seminarleiter), Arinya (Heilehaus + StraKo)
Eingeladene Gäste: Jannes und Birte (Abro-Team)
Notizenprotokoll: Anja, schriftliche Ausarbeitung Frauke
Wir trafen uns, um die neusten Informationen, die wir von unterschiedlichen Quellen zusammengetragen haben, miteinander zu teilen und zu besprechen und anschließend eine Entscheidung über die Öffnung oder Nicht-Öffnung des Seminarbetriebs zu erreichen.
Wir hatten befragt / als Grundlagen der Entscheidung:
– Neuster Erlass der Regierung (vorher per Mail von Anja)
– Aussagen zur rechtlichen Situation, Regressansprüchen und Bußgeldern vom Ordnungsamt und der IHK (Friedo per Telefon)
– Infos vom VNB/Verein niedersächsischer Bildungsinitiativen (Gerold per Telefon)
– Stimmungsbild der meisten Bettenanbieter (Frauke per Mails)
– Paper von der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (vorher per Mail von Anja)
– Paper von der DEHOGA Niedersachsen (vorher per Mail von Anja)
– Hygienekonzept des VNB (vorher per Mail von Anja)
– Papers des nieders. Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung zu Hygieneanforderungen für Beherbergung und Gastronomie (vorher per Mail von Anja)
– Ausmessaktion von Jürgen der Seminarräume (vorher per Mail von ihm)
– Infos von Jannes aus der Perspektive eines Eventmanagements, Info zu einem Gesetzentwurf zu Gutscheinregelungen für ausgefallene Events, Seminare etc., der zum 31.5.20 entschieden wird
– Preisinfos zu notwendigen Lebensmittel-Einkäufen in vorgeschriebener Art (abgepackte Portionen, keine Großgebinde, Flaschenwasser etc.) (von Anne)
Die Sammlung und Erörterung aller Informationen ergab eine ganz schwierige Situation für den Seminarbetrieb.
Wir dürfen nur mit 60% Belegungsauslastung arbeiten, jedes Zimmer, jeder Seminarraum und auch die Flure müssen vor und nach einer Benutzung desinziziert werden, die Toiletten während des Seminars mehrere Male täglich.
In den Seminarräumen müssen wir Stühle aufstellen und auf dem Boden Abstände markieren, die Stühle dürften nicht verrückt werden.
In der Küche müssten alle ununterbrochen Masken bei der Arbeit tragen, jede einzelne Mahlzeit müsste am Platz serviert werden oder als Tellergericht ausgegeben werden, es müssten Portionspackungen von allem möglichen (fraglich, ob es das alles überhaupt in Bioqualität gibt, auf jeden Fall aber mit dem normalen Budget auf gar keinen Fall zu finanzieren) bestellt werden, Heißgetränke müssen vom Personal ausgegeben werden (!), Wasser nur flaschenweise verkauft werden.
An den Türen müssen Desinfektionsmittel aufgestellt werden und vor der Essensausgabe Abstandsmarkierungen geklebt werden, wir müssten auch an den Türen drauf achten, dass alle Gäste Abstand halten beim Kommen und Gehen.
Von allen Maßnahmen, die wir ergreifen müssten, müssten wir auch für jedes Seminar und jede Veranstaltung einzeln eine lückenlose Dokumentation erstellen, d.h. neben den Teilnehmerlisten einschl. Adressen müssten wir die Raumgestaltung mit Abstandsmarkierungen fotografieren, ein schriftliches Hygienekonzept muss vorliegen und wir müssen nachweisen, dass wir unsere Mitarbeiter darin geschult haben. Jeder Gast muss das Hygienekonzept ausgehändigt bekommen.
Unsere Bettenanbieter (die wenigen, die uns zu diesen Bedingungen überhaupt ihre Zimmer zur Verfügung stellen) müssten wir ebenfalls zu den Hygieneauflagen verpflichten.
Das Ordnungsamt macht verstärkt unangekündigte Kontrollbesuche. Dabei müssten wir all das obige lückenlos nachweisen können.
Vermutlich hat jeder gelesen oder gehört, dass dem Betreiber des Restaurants in Leer ein Bußgeld im Zehntausenderbereich droht.
Allerdings wurden inzwischen auch die Gäste, einschließlich der Erkrankten befragt und es wurde ermittelt, dass etliche sich nicht an die Regeln gehalten hatten, also werden auch Bußgelder von Gästen verlangt.
Stellt euch hier bitte die Folgen für den Betrieb (und die Gemeinschaft) vor, falls jemand Unrichtiges oder Naives über ein Seminar bei uns äußert.
Alles in allem kamen wir zur Erkenntnis, dass wir in erster Linie personaltechnisch, logistisch und vor allem auch finanziell die Auflagen auf keinen Fall verlässlich garantieren könnten.
Wir würden mit jedem Tag der Öffnung und mit jeder Veranstaltung einerseits pro Gast an sich schon viel höhere (Personal- und Material-)Kosten haben und andererseits sowieso bei 60% Auslastung viel zu wenig einnehmen.
Eine Uneinigkeit gab (und gibt) es darüber, ob wir nicht zumindest Tagesveranstaltungen ohne Verpflegung stattfinden lassen können.
Leider stellt es sich aber auch hier so dar, dass wir als Veranstalter/Vermieter der Räume die gesetzliche Verantwortung der Einhaltung der Verordnungen nicht (bzw. nur durch einen äußerst komplizierten Vertrag, der von einem Rechtsanwalt aufgesetzt werden müsste) rechtsgültig an die Mieter/Seminarleiter abgeben können.
Falls Krankheitsfälle auftreten würden, wäre also dennoch wieder der Seminarbetrieb in der Verantwortung.
Wir müssten also für wenige, völlig unlukrative Tagesveranstaltungen Personal zum desinfizierenden Putzen und Vor- und Nachbereiten der jeweiligen Räume und Toiletten Menschen aus der Kurzarbeit holen und gleichzeitig dennoch für den Großteil des Betriebs (Seminare in der üblichen mehrtägigen Form) mit den Mitarbeitern in Kurzarbeit die sehr umfangreiche Abwicklung von Rückzahlungen, Gutscheinausgaben, Absagen, Schriftverkehr, Neu-Termine suchen und finden, Beschwerden etc. wuppen.
Wir sind uns ebenfalls bewusst, dass wir in der näheren Umgebung als Gemeinschaft (und damit auch der Seminarbetrieb) durchaus immer noch „unter Beobachtung“ stehen und daher besondere Sorgfalt mit unseren Pflichten und Verantwortlichkeiten walten lassen sollten.
Letztendlich fiel die Abstimmung für das Geschlossenlassen des Seminarbetriebs bis vorerst 31. Juli 2020 aus:
6 Stimmen dafür, 1 Stimme dagegen, 3 Enthaltungen (die aber mit dem Durchführen des Mehrheitsbeschlusses leben können)
Wir haben es uns mit der Entscheidung nicht leicht gemacht, es war eine anstrengende Sitzung, keine/r ist zufrieden und glücklich mit dem Ergebnis.
Danke für die ausführlichen Vorarbeitungen für den Beschluß. Dieses hervorragende Protokoll stellt wirklich klar, warum und wieso so entschieden wurde! Ich unterstütze diese Entscheidungen – bei allem Verständnis für die Andersdenkenden. In schwierigen Zeiten müssen eben auch ungeliebte Entscheidungen getroffen werden. Welche Belastung dies für die EntscheidungsträgerInnen bedeutet, sollte gewürdigt werden.
Hallo. Hm…ich verstehe das noch immer nicht mit dem Yoga warum das nicht statt finden kann. Ist auch nicht so schlimm, da wo sich Türen schließen öffnen sich ja immer wieder neue, ich bin da ganz im Vertrauen. Ich werde ab Montag unten im Dorf im Fitnesstudio unterrichten und freue mich total drauf!
Dennoch mag ich die Situation mal beleuchten, um ein klareres Bild davon zu geben wie ein Kurs hier aussehen kann und eventuell ab Ende Juli wird:
Meine TN sind hier für 75-90 Minuten. Die Hygieneregeln kriegen sie vorab per Mail zugesendet. Ich unterschreibe dem SB ,dass ich für den Kurs verantwortlich bin und die Hygieneregeln klar gemacht habe.Ich hole die TN unten an der Tür ab (Abstandsregel) Ich kann ihnen (vorher) sogar mitteilen, dass sie das Klo nicht benutzen könnten, macht eh fast nie jemand. Ich kann aber auch das Klo putzen und desinfizieren und brauch dafür keine Schulung. Desinfektionsspender könnte ich auch anbringen.
Laut extra dafür Abgeordneter Person von Gesundheitsamt und meiner Erfahrung aus meinem Seminar in Hessen vorletztes Wochenende sieht das dann so aus:
In der Zendo sind die Abstände markiert-2 Meter. Die TN müssen eigene Matten etc mitbringen und dürfen nichts von hier nutzen. Sie dürfen die Türklinke nicht selbst betätigen. Ich teile -mitHandschuhen- vorher Zettel aus mit den hygieneregeln die eingehalten werden müssen und unterschrieben (damit jeder unterschreibt, dass sich an die Regeln gehalten wird- jedeR mit eigenem Stift, den sie anschließend mitnehmen können- und hinterher für mich an Ort und Stelle liegen bleiben. Ich führe eine TN-Liste mit Adressen, die ich drei Wochen lang aufheben muss.
Ich unterrichte 90 Minuten ohne Körperkontakt und alle gehen glücklich nach Hause. Ist wirklich sehr überschaubar….
Es ist kaum möglich mit zweierlei Maß zu messen. Wo sollen die Grenzen gezogen werden, was geht, was nicht… Von offizieller Vereinsseite kann nur eine klare Linie gefahren werden…