Volkslieder – noch ein Wort dazu (oder auch zwei und mehr…)

Definition: „volkstümliches, im Volk gesungenes, vom Geist und von der mündlichen Überlieferung des Volkes geprägtes, schlichtes Lied in Strophenform“

Zuerst ein kleines Gedankenexperiment, bevor ihr weiterlest.

Wie klingt das Wort „Volkslied“ in euren Ohren? An was denkt ihr spontan? An was denkt ihr bei einem zweiten nachdenken? Welches Gefühl habt ihr dazu?

Schreibt dazu gerne in den Kommentaren, ich bin gespannt.

Also mir geht es so, dass dieses Wort auf zweierlei Art behaftet ist, wenn ich*s genau nehme, sogar drei.

  1. Kindheitserinnerung
  2. Nazi-Regime
  3. Deutsches (unser, mein) Kulturgut (und schon das nächste Wort, das behaftet ist)

Behaftet – kommt das von „Haft“? Na, das passt ja…

Für mich sind glücklicherweise Punkt 1 und 2 getrennt, für einige von euch nicht. Das macht bestimmt nochmal etwas ganz anderes in der Gefühlswelt.

Kindheitserinnerung und Nazi-Regime könnten nicht gegensätzlicher sein. Kindheitserinnerungen sollten doch eigentlich schön sein. Das Wort ist auch be-haft-et, aber eher positiv, auch wenn die Erinnerungen nicht unbedingt so waren.

Aber ich schweife ab….

Ich finde, es ist an der Zeit, all diese Be-Haft-ungen aufzulösen. Und da ich (auch) Musikerin bin, fange ich dort an. Denn: Ich bin ein wenig neidisch auf andere* Kulturen und ihre Musikkultur. Denn das ist das, was am meisten Verbindung schafft – ohne reden, aber nicht ohne Worte – über die Musik, bei, in und mit der wir gemeinsam schwingen und uns verbinden – ob wir wollen oder nicht 😉 quasi Zwangsverbindung… (Achtung – Haftung :-))

Ich wünsche mir ein Land, eine Welt, in dem alle Kulturen ihre Volkslieder frei und mit Freude singen können.

Spannenderweise tun es viele anderen Kulturen schon…

Und ich fang hier im Lebensgarten an, in meiner kleinen Welt. Seid ihr dabei?

Bringt die Lütten mit, damit sie diesen Teil unserer Kultur kennen lernen und sie weiterlebt. Wir haben so schöne Volkslieder. Welches magst Du besonders gerne?

 

P.S.:

* An dieser Stelle hab ich mich verschrieben und ich finde es schon fast ein bisschen gruselig, deshalb mag ich es gerne teilen. Nach dem „runterschreiben“ des Textes las ich ihn mir durch und was les ich da? Ich hatte nicht „andere“ Kulturen geschrieben, sondern „untere“ Kulturen… Das gibt mir schon ein bisschen zu denken, was da noch so unbewusst in mir schwelt…

6 Kommentare zu „Volkslieder – noch ein Wort dazu (oder auch zwei und mehr…)“

  1. schöne Idee Alia,

    ich finde es schon lange sehr schade, dass wir immer noch im Nazi-Bann stehen und z.B. kaum deutsche Musik für die Kreistänze haben.

    In den 70igern und 80igern gab es ein engagierte „Liedermacher“, die sehr erfolgreich deutsches Liedgut „entnazifiziert“ bzw. freches wieder entdeckt haben oder zum Teil neue Texte gedichtet haben. Leider sind diese Musiker kaum noch bekannt.

    hier einige Beispiele:

    Zupfgeigenhansel, super Gemeinschaftslied!! Das könnten wir auf dem Gemeinschaftswochenende einüben. Die Strophe können Solisten singen und es lassen sich sehr schön neue Strophen dazu dichten!

    https://www.youtube.com/watch?v=Cdki3nRxXT8

    https://www.youtube.com/watch?v=SQ05WgVr8_4&list=RDSQ05WgVr8_4&start_radio=1#t=0

    https://www.youtube.com/watch?v=ap2Xpr-eh18&list=RDSQ05WgVr8_4&index=6

    Elster Silberflug:

    https://www.youtube.com/watch?v=8g40T12NuT8

    https://www.youtube.com/watch?v=90cC_8HwwSE

    oder die schmissigen Ougenweide:

    https://www.youtube.com/watch?v=kzNO5PGi9kU

    https://www.youtube.com/watch?v=8nPsUtWRvk8

    und so weiter- einfach mal diese Gruppen youtuben…

  2. Ich denke (und singe mehr innerlich als wirklich, weil meine Stimme seit meiner Lungenentzündung leider „in der Mitte“ kaputt ist) als erstes:

    „Mich brennt´s in meinen Reiseschuh´n
    fort mit der Zeit zu schreiten
    was wollen wir agieren nun
    vor soviel klugen Leuten

    Es hebt das Dach sich von dem Haus
    und die Kulissen rühren
    und strecken sich zum Himmel raus
    Strom, Wälder musizieren

    Da gehn die einen müde fort
    Die andern nahn behende
    Das alte Stück man spielt´s so fort
    Und kriegt es nie zu Ende

    Und keiner kennt den letzten Akt
    Von allen die da spielen
    Nur der da droben schlägt den Takt
    Weiß wo das hin will zielen.“

    Eins meiner Lieblingslieder. Wurde in meiner Realschule am letzten Tag vor den großen Ferien jedes Jahr in der Aula mit allen, der ganzen Schule, allen Lehrern zum Abschied gesungen.

    https://www.youtube.com/watch?v=0sXi1PuDXRo

    Ich denke als zweites: An meine Kinderkur mit 12 in St. Peter-Ording.
    Am Anfang bekamen wir eine Mundorgel.

    Jeden Morgen standen wir im Flur vor dem Speisezimmer und „mussten“ singen:

    1) Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne,
    die Finsternis weicht.
    Der Morgen sich zeiget, die Röte aufsteiget,
    der Monde verbleicht.

    2) Nun wollen wir loben den Höchsten dort oben,
    dass er uns die Nacht
    hat wollen behüten vor Schrecken und Wüten
    der höllischen Macht.

    3) Kommt, lasset uns singen, die Stimmen erschwingen,
    zu danken dem Herrn.
    Ei bittet und flehet, dass er uns beistehet
    und weiche nicht fern.

    4) Es sei ihm gegeben mein Leben und Streben,
    mein Gehen und Stehn.
    Er gebe mir Gaben zu meinem Vorhaben,
    lass richtig mich gehen.

    5) In meinem Studieren wird er mich wohl führen
    und bleiben bei mir,
    wird schärfen die Sinnen zu meinem Beginnen
    und öffnen die Tür.

    Danach erst… „öffnete sich die Tür“ und wir konnten frühstücken… 😀

    https://www.youtube.com/watch?v=VQHuQS2pXVQ

    Dies nur mal meine ersten Gedanken… more to come…

    • Danke Frauke für Deine Kindererinnerungen und schade, dass Du selbst nicht mehr singen kannst. Kommen darfst Du aber auch nur zum zuhören…

  3. Bei mir kam zuerst: oh nee, piefig … als Jugendliche fand ich sie schrecklich, die Volksmusik, die mein Vater immer sonntags in der Küche hörte … dann gibt’s aber auch schöne Erinnerungen – zuerst an meine Omi, bei der ich als Kind oft war, weil meine Eltern beide viel gearbeitet haben. Und meine Omi und ich haben oft gesungen – beim Treppebohnern, beim Gang in den Garten, im Kegelclub …
    Spontan fallen mir ein: Es tönen die Lieder … Jetzt fahr’n wir über’n See … Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald …
    Dann die Klassenausflüge, beim Wandern, ja und das Landschulheim in Wyk auf Föhr …
    Bei mir ist es dieses Bild „draußen in der Natur mit viel frischer Luft aus voller Kehle fröhlich zusammen singen“, welches in mir ein Wohlgefühl entstehen lässt …

    • Ja, Elke! Piefig ist auch ein Aspekt. Dieser in erster Linie für die meisten Medienstars á la Heino, den „Blauen Bock“ u.ä.
      Allerdings gab es auch immer mal „Lichtblicke“.
      Die Gruppen, die Joachim aufzählte.
      Da würde ich noch „Liederjan“ hinzufügen.
      Und von Hannes Wader gibt es eine wunderschöne Sammlung nord- und plattdeutscher Lieder.

      Und wen ich auch liebe, vom Südende von Deutschland, ist Hubert von Goiseren.

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