Was geht denn hier im Wald ab?

Mit Freude habe ich heute einen Brief geöffnet und dies möchte ich mit euch teilen, da  es noch einige gibt, die es noch nicht mitbekommen haben , daß es im Lebensgarten einen neuen Verein gibt.

Ab heute ist es amtlich, unser Verein „PermaKulturWald“ ist als gemeinnütziger Verein eingetragen. Wir werden sicher noch zu einem Infoabend einladen aber ein paar Dinge kann ich hier schnell erzählen.

Unser Verein hat sich zum Ziel gemacht Wälder von Monokulturen in nachhaltige Laubmischwälder zu verwandeln. Unser Startprojekt ist dazu der Wald hinter dem Hain in Verbindung mit der Schreinerei in den Holzhütten. Dazu gibt es ein paar Fakten:

  • trotz der ähnlichen Namen ist der „PermaKulturWald e.V.“, kurz auch „Pekuwa“ genannt, ein eigenständiger Verein und keine Untergruppierung von PaLS.
  • unser Verein hat sich aus Mitgliedern der ehemaligen Holzgruppe entwickelt. Die Holzgruppe in der damaligen Form wurde auf Wunsch von PaLs vor längerer Zeit aufgelöst. Aus diesem Grund finden von der damaligen Holzgruppe auch keine Aktivitäten mehr am Holzunterstand und im PaLS-Wald statt.
  • Grundstein für die Vereinsgründung war die Waldschenkung von Declan an mich, Stefan. Es ist das Waldstück hinter dem Hain in der Breite vom Borsteler Weg zum Magrit-Kennedy-Weg mit einer Tiefe von ca. 100 Metern. Dies ist noch ein paar Meter hinter dem Waldberg und beherbergt den Waldkindergarten. Insgesamt umfasst der Wald 3,2 ha. Der Verein betreut diesen Wald, ich bin weiterhin der Besitzer dieses Waldes und erster Vorsitzende des Vereins. 2. Vorsitzender ist Uwe Hartung und unser Schatzmeister ist „Hansi“ Hans-Albert Bremer.
  • Alle Fragen zum Thema Waldumbau und zum Projekt beantwortet gerne Uwe.
  • Der NABU hat mehrere Bäume von uns als Habitatbäume für einen symbolischen Beitrag gekauft. Diese haben eine ganz kleine Plakette (silber, ca. 2x3cm groß) und enthalten schon Spechtlöcher. Der größte NabuBaum ist an einer der Senken am Waldberg. Dort ist auch das Hinweisschild „Waldbrandgefahr“ angebracht. Mit dem NABU wurde vertraglich festgelegt, daß diese Bäume bis zur Verottung nicht mehr angefasst werden dürfen um den Lebensraum „Totholz“ zu bewahren.
  • Mit dem Herstellen und Aufstellen von Bänken aus heimischen Hölzern haben wir schon das erste Ziel umgesetzt. Ziel ist es, aus gefällten Bäumen nicht primär Brennholz zu erzielen sondern Bau- und Möbelholz. Die Bänke sollen den Erholungswert im Wald steigern und werden nach Verottung (Totholz) einfach erneuert.
  • Totholzhaufen, welche in der Schweiz übrigens staatlich gefördert werden, verändern den Tierbestand und siedeln neue Tierarten an. Sie geben Tieren, welche die natürlichen Fraßfeinde von Waldschädlingen sind, den nötigen Lebensraum. Dadurch werden z.B. der Befall durch den Borkenkäfer vorgebeugt. Durch das „Aufräumen“ der Wälder wird folglich der Schädlingsbefall gefördert.
  • Wir vermeiden bewusst das Mulchen von Totholz, da wir dadurch  wichtige Schritte im natürlichen Kreislauf übergehen würden. Dies äußert sich besonders im Frühling, wo man in unserem wie auch im PaLS Wald, viele Singvögel hört und sieht, während man in den aufgeräumten Nachbarwäldern absolute Stille wahrnimmt. Diese Maßnahmen sind oftmals für das ordnungsgewöhnte Auge ungewohnt. Ich zitiere hier gerne Margrit Kennedy, von der das Zitat stammen soll:“ Es gibt zwischen Ei und Omlett eine vergängliche Zwischenstufe, welche nicht immer schön aussieht.“ Das Totholz verändert wesentlich den momentan noch sauren Boden im Wald. Wesentlicher Bestandteil der Totholzverteilung sind die Hüttenbauten unserer Kinder, welche jetzt schon wieder zusammenfallen und hervorragende Totholzhaufen bilden.
  • Wir wollen, im Gegensatz zur konventionellen Forstwirtschaft, den Hochwald erhalten und Kahlschlag vermeiden. Dies bedeutet, daß wir nicht Kiefern im erntereifem Alter fällen sondern die jungen Kiefern nach und nach entfernen. Somit bleibt der Hochwaldcharakter bestehen, während von unten Laubbäume nachfolgen. Das Ziel ist nicht die Ernte und Ausbeutung für finanzielle Absichten.
  • Wir bevorzugen vornehmlich die Aussaat von Samen und nicht das Anpflanzen von Bäumen, da natürlich gewachsene Bäume ein wesentlich besseres Gemeinschaftsleben entwickeln können, während gepflanzte Bäume trotz Nachbarn Einzelgänger bleiben. Peter Wohlleben hat hierzu interessante Bücher geschrieben. Natürlich nehmen wir trotzdem auch Jungbäume in unserem Wald auf.
  • Der östliche Bereich des Wald am Waldberg und den Senken zum Borsteler Weg hin beherbergt schon viele stattliche Eichen. Dieser Bereich wird in diesem Winter unser Tätigkeitsbreich sein. Durch die Entnahme der Kiefern in diesem Waldstück werden wir in kurzer Zeit einen Eichenwald erhalten. Die Eiche wird den ihr gebotenen Platz sehr schnell einnehmen, womit wir dem Ziel Laubwald ein großes Stück näher kommen.

Es gibt noch sehr viel mehr zu berichten. Dies werden wir aber später auf einer Veranstaltung berichten. Wer sich berufen fühlt mit uns im Wald zu schaffen, ist hierzu herzlich eingeladen.

Wir danken Matthias für die Gestaltung unseres Logos, welches ihr hier sehen könnt.

Einen schönen Abend wünscht der Stefan

4 Kommentare zu „Was geht denn hier im Wald ab?“

  1. Danke für diesen ausführlichen Bericht, lieber Stefan, so kann ich mit ganz anderen Augen durch diesen Wald gehen!
    Und danke an die Vereinsmitglieder, die so rege an der Verbesserung des Ökosystems wirken!

  2. Ihr Jungs seid richtig klasse, freu mich auch über die Nennung von Peter Wohlleben, dessen Buch „Das geheime Leben der Bäume“ ich gerade vor mir liegen habe (danke, Eva Regine); es ist absolut spannend zu lesen!

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