Der Spaltung begegnen
Bereits zum dritten Mal traf sich die Gruppe mit dem Arbeitstitel „Wendekreis“ in einem geschützten Rahmen. Sie ist als Folge des abgesagten Wochenendes zur Gemeinschaftsbildung vor zwei Monaten entstanden.
Bisher war das ursprüngliche Thema „Begegnung der Kulturen im Lebensgarten“ behandelt worden. Jedoch ist es bisher nicht gelungen, Vertreter*innen wichtiger Kulturen zum Kommen bzw. zum Bleiben zu bewegen. Vermisst wurden diese insbesondere aus der Gruppe der jungen Leute, der Moynies sowie der Menschen, die strikt den Corona-Auflagen folgen.
In der Vorbereitungs-Gruppe waren zwei wesentliche Spaltungs-Tendenzen ausgemacht worden entlang der Themen:
(a) Wie umgehen mit den Corona-Auflagen ?
(b) Was erwarten die Lebensgärtner*innen von den Moynies und umgekehrt ?
Zuerst gab es einige Minuten der Stille.
Es folgten mehrere Redestab-Runden zur eigenen Befindlichkeit. Einige bezogen sich dabei auf persönliche Erlebnisse im Lebensgarten mit Menschen anderer Meinung zu (a) und/oder (b), die sie jeweils stark erschüttert haben.
Danach wurden Paare gebildet, die sich der Frage widmeten:
Was kann ich tun, um der Spaltung im Lebensgarten entgegenzuwirken ?
Dabei ging es um tiefes Sprechen und Zuhören vom Herzen her. Eine Person sprach 5 Minuten und die zweite hörte einfach nur mit offenem Herzen zu. Danach wurde gewechselt. Anschließend hatten die Paare 15 Minuten Zeit, um sich intensiv zu zweit auszutauschen. Dieser Rahmen wurde als zutiefst verbindend erlebt.
Stimmen aus der anschließenden Essenz-Runde und weiterer Runden:
- ich sehe meine Rolle darin, besonders Menschen mit Ängsten zum Austausch zu bewegen
- ich mache Angebote für Menschen, die auf meiner Wellenlänge liegen
- ich musste lernen, mir selbst zuzugestehen, dass ich nicht mit allen Bewohner*innen in Verbindung gehen kann
- ich muss meine Grenzen wahren, mit meiner Energie haushalten und versuche gleichzeitig auszusenden: „Ich bin da, wenn du mich brauchst – innerhalb meiner Energie!“
- was wollen und was machen die Moynies ?
- der Lebensgarten und die Moynies galoppieren auf einen Abgrund zu
- fehlende innere Verbindung war schon immer das Thema im Lebensgarten – mein Gefühl dazu ist das der „leeren Mitte“
- es gibt nicht genügend Interesse im Lebensgarten, um miteinander durch bestimmte Nadelöhre zu gehen
- entsprechende Gruppen, die das versuchten, haben sich nie länger gehalten
- ich habe eine Sehnsucht nach gemeinsamem Wirken und Transformation, die sich aus innerer Bezogenheit ergibt mit einer geteilten Vision und dem Wunsch nach persönlichem Wachstum
- ich bin schwer betroffen über die geringe Wertschätzung, die Mitwirkenden des Seminar-Betriebs – als Herzstück des Lebensgartens – entgegengebracht worden ist
- ich verschweige vor meinen Angehörigen existenzielle Dinge, die mich stärken, um die Familie nicht zu sprengen – daraus entwickelt sich eine Behinderung bei mir
- jemand hat mich beim Vorstand „verpfiffen“, anstatt direkt zu mir zu kommen – das schmerzt mich
- ich kann es nicht unterstützen, wenn gegen den Vorstand gehandelt wird
- bei der Erlaubnis zur Raumnutzung wird vom Vorstand mit verschiedenem Maß gemessen
- kann der Vorstand die Raumnutzung tatsächlich verbieten oder liegt seine Rolle nicht vielmehr darin, die Vereinsmitglieder über gesetzliche Auflagen zu informieren und sie zur Einhaltung derselben aufzufordern
- was genau ist die Rolle des Vorstands laut Vereins-Satzung ?
- wo findet in Corona-Zeiten die Willensbildung der Vereins-Mitglieder statt – in den Arbeitsgruppen, bei den online-MVs, auf informellen Wegen ?
- wie handhaben andere Gemeinschaften wie Tempelhof, Sulzbrunn, ZEGG, Sieben Linden usw. den basisdemokratischen Prozess der Willensbildung und Entscheidungsfindung zur Zeit ?
- wieso können Gemeinschaften wie Sulzbrunn oder Tempelhof sich zu einem einzigen Haushalt erklären und deshalb normale Präsenz-VVs abhalten – wie bekommen wir zuverlässige Infos aus diesen Gemeinschaften ?
- weshalb will bisher niemand das Sozialteam fortführen ?
Was tun ?
- eine gemeinsame Einladung an alle Lebensgärtner*innen, auf dem Hain zusammenzukommen, wenn dies wieder erlaubt ist, und dort zu zweit einen längeren Spaziergang im heilenden Rahmen der Natur mit gegenseitigem Austausch zu unternehmen – angedachter Termin dafür ist der Frühlings-Anfang
- Ansprache von Menschen, zu denen bisher wenig Kontakt besteht, die wir aus persönlichem Interesse heraus kennenlernen möchten
- dafür sorgen, dass die Einsätze zur Dorfverschönerung regelmäßig stattfinden, weil sie von allen, die daran teilnehmen, immer als äußerst verbindend erlebt werden
- sich bei allen Vorhaben der Frage widmen: „Was strengt uns an und was gibt uns Energie in diesen Treffen? “
- online-Austausch zum Vortrag von Daniele Ganser auf youtube zum Thema „Corona und die Angst“ am Sonntag, 17. Januar (Einladung gibt es im Infogarten)
Information:
Mittwoch, 20. Januar, ist eine Online-MV u. a. zur Abstimmung über die Verträge mit den Moynies, diese Verträge sind ab 1 Woche vorher einzusehen im Büro bei Rike.
Wie weiter ?
Das nächste Treffen wird stattfinden am Samstag, 13. Februar. Schwerpunkt-Thema: „Was wünsche ich mir – wie ist mein Bild vom Lebensgarten in einem Jahr ?“
Wer hat denn an dem Treffen teilgenommen?
Zum Thema Tempelhof als Hausgemeinschaft zu Coronazeiten habe ich von einer dort lebenden Bekannten Folgendes erfahren:
Es sieht offenbar so aus, dass die Gemeinschaft durch ihr enges Zusammenleben, sowohl räumlich als auch strukturell, gar keine andere Wahl hat als sich als Kollektiv zu verhalten und auch darzustellen. Das wurde auch von Gemeinde/Bürgermeister so akzeptiert, als zugesichert wurde, dass man sehr achtsam mit der Situation umginge.